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Johanniskraut

Johanniskraut
© Sertürner Bildarchiv

Botanische Bezeichnung

Tüpfel-Johanniskraut
Hypericum perforatum L.

Familie

Johanniskrautgewächse (Hypericaceae)

Wissenswertes zur Pflanze

Weltweit gibt es ungefähr 380 Hypericum-Arten, ca. 20 davon kommen in Mitteleuropa vor, darunter das Tüpfel-Johanniskraut. Es ist in ganz Europa und Westasien, auf den Kanarischen Inseln und in Nordafrika heimisch und gilt in den anderen Erdteilen als eingeschleppt und eingebürgert.

Der Gattungsname Hypericum leitet sich ab von gr. ‚hyper’ (= auf) und ‚ereikon’ (sinngemäß: auf der Heide wachsend). Dafür gibt es verschiedene Deutungen wie „unter Heidekräutern wachsende Sippe“ oder „den Heidekräutern ähnliche Sippe“. Das Arte­pitheton perforatum dagegen ist eindeutig und bezieht sich auf die durchscheinende Punktierung der Blätter, abgeleitet von lat. ‚perforatus’ (= durchbohrt, durchlöchert), was auch im deutschen Namen „Tüpfel-“ zum Ausdruck kommt. Besonders auffallend ist die drüsige Punktierung, wenn man die Blätter gegen das Licht betrachtet. Durch die drüsige Punktierung unterscheidet sich das Tüpfel-Johanniskraut von anderen Hypericum-Arten. „Johanniskraut“ heißt die Pflanze, weil sie zur Sommersonnwende, also zu „Johanni“ (24. Juni) zu blühen beginnt. Bekannt ist sie auch als „Tüpfel-Hartheu“, was deutlich macht, dass ihre „harten“ Stängel nur wenig brauchbares Heu ergibt.

Johanniskraut wächst verbreitet an Weg und Feldrändern, an Zäunen, auf Magerwiesen und in Gebüschen. Das Tüpfel-Johanniskraut (im weiteren Verlauf hier nur noch „Johannis­kraut“ genannt) wird ca. 60 cm hoch. Sehr auffallend sind die zahlreichen gelben Blüten die in traubig zusammengesetzten Trugdolden am oberen Ende der harten, ästigen Stängel stehen. In der Mitte der Blüte ragen zahlreiche, lange Staubblätter heraus. Die Blütenblätter sind wie die Blätter drüsig punktiert, wobei die drüsigen Ölbehälter der Blüten durch das darin enthaltene dunkelrote Hypericin schwarz erscheinen. Wenn man die frischen Blüten zerreibt, färbt es die Finger rot. Johanniskraut blüht von Ende Juni bis in den Spätsommer hinein.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile (Droge)

Verwendet werden die getrockneten blühenden Triebspitzen mit Blüten, Blättern und Stängeln (Johanniskraut - Hyperici herba). Die Droge stammt vorwiegend aus dem Anbau in Deutschland, Osteuropa und Chile.

Inhaltsstoffe der Droge

Johanniskraut enthält Hypericine (Naphthodianthrone), Hyperforin (Phloroglucinderivat), Flavonoide und Biflavone.

Qualitätsbeschreibungen

Die Qualität folgender Drogen bzw. Drogenzubereitungen ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt:

  • Johanniskraut (Hyperici herba)
  • Quantifizierter Johanniskrauttrockenextrakt (Hyperici herbae extractum siccum quantificatum)

Wenn von „öligen Zubereitungen“ des Johanniskrauts gesprochen wird, ist Johannisöl (Rotöl) gemeint. Es ist eine traditionelle Zubereitung aus frischen Johanniskrautblüten mit einer Herstellungsvorschrift im Ergänzungsbuch zum DAB 6 (Erg.-B. 6). Die frischen Blüten werden zerquetscht, mit Olivenöl (1:4) übergossen und in einem hellen Glasbehälter unter häufigem Umschütteln über sechs Wochen an einem warmen und sonnigen Ort extrahiert (im Originaltext steht „Gärung“). Dabei färbt sich das Öl durch das aus den Blüten extra­hierte rote Hypericin dunkelrot.

Medizinische Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

Das HMPC hat Johanniskraut in Form von Trockenextrakten (DEV 3-7:1 oder 3-6:1, Auszugsmittel Ethanol 80%) für die Behandlung leichter und mittelschwerer Depressionen (entsprechend ICD-10) als „medizinisch anerkannt“ („well-established use“) akzeptiert.
Trockenextrakte (DEV 2,8-8:1, Auszugsmittel Ethanol 50-68%) können kurzzeitig bei leichter depressiver Verstimmung angewendet werden (well established use). Siehe auch „Traditionelle Anwendung".
ESCOP: leichte depressive Störungen oder leichte bis mittelschwere depressive Episoden entsprechend ICD-10.
Kommission E: innerlich: psychovegetative Störungen, depressive Verstimmungszustände, Angst und/oder nervöse Unruhe; ölige Johanniskraut-Zubereitungen bei dyspeptischen Beschwerden; äußerlich: ölige Johanniskraut-Zubereitungen zur Behandlung und Nach­behandlung von kleinen Wunden, bei Myalgien (Muskelschmerzen) und Ver­brennungen 1. Grades.

Traditionelle Anwendung

Johanniskraut in Form von Trockenextrakten (DEV 4-7:1, Auszugsmittel Ethanol 38%), sowie Flüssigextrakte, Tinkturen, Frischpflanzenpresssaft, Schnittdroge und pulverisierter Droge wurde vom HMPC für nachfolgende Anwendungsgebiete als traditionelles pflanz­liches Arzneimittel (§ 39a AMG) eingestuft. Basierend auf langjähriger Erfahrung kann Johanniskraut innerlich bei zeitweilig auftretenden mentalen Erschöpfungszuständen und bei leichten Magen-Darm-Beschwerden, äußerlich zur Behandlung leichter Haut­entzündungen (z. B. Sonnenbrand) und leichten Wunden eingesetzt werden; siehe auch „Anerkannte medizinische Anwendung“.

Arzneiliche Drogenzubereitungen in Fertigarzneimitteln

  • geschnittenes Johanniskraut als Tee
  • Trockenextrakte in Kapseln und Tabletten
  • alkoholische Auszüge in Tropfen und anderen flüssigen Zubereitungen
  • Frischpflanzenpresssaft als Saft
  • Hypericum perforatum homöopathische Urtinktur in flüssigen Zubereitungen

Dosierung

Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Teeaufguss: Mit einer Teezubereitung von Johanniskraut wird die wirksame Dosis zur Behandlung von Depressionen nicht erreicht, deshalb ist bei diesem Anwendungsgebiet vom Trinken eines Johanniskrauttees abzuraten und Fertigpräparaten mit einem definierten Wirkstoffgehalt (quantifizierter Extrakt) den Vorzug zu geben.
Bei den Anwendungsgebieten der „traditionellen Anwendung“ kann auch Johanniskrauttee getrunken werden. Einzeldosis 2 bis 4 g Johanniskraut, Tagesdosis: 6 bis 12 g.

Bereitung eines Teeaufgusses

2 bis 4 g fein geschnittenes Johanniskraut wird mit 150 mL siedendem Wasser versetzt übergossen und nach 5 bis 10 Min. abgeseiht.

Hinweise

Johanniskraut hat photosensibilisierende Eigenschaften (Hypericingehalt). Hellhäutige Personen können deshalb bei hoher Johanniskraut-Dosierung möglicherweise mit einer erhöhten Lichtempfindlichkeit reagieren und sollten sich deshalb nicht unbedingt der Sonne aussetzen.
Für die Anwendung von Johanniskraut während der Schwangerschaft und Stillzeit liegen noch keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor. Für eine Anwendung bei Kindern und Jugendlichen reichen die Erkenntnisse noch nicht aus.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen selten; mitunter allergische Hauterscheinungen, Müdigkeit, Unruhe und Magen-Darm-Beschwerden.

Wechselwirkungen

Johanniskraut erhöht die Aktivität verschiedener Subtypen des Enzyms Cytochrom-P450, wodurch es zu Wechselwirkungen mit Arzneimitteln kommen kann, die von diesem Enzym metabolisiert werden, mit der Folge einer Wirkungsabschwächung. Dies betrifft Anti­koagulanzien vom Cumarintyp (z.B. Marcurmar), Ciclosporin und Tacrolimus (Immun­suppressiva), Digoxin, Indinavir und andere Proteasehemmstoffe (HIV-Behandlung), Zytostatika, Hormone zur Empfängnisverhütung (Antibabypille) sowie Amitryptin/ Nortriptylin (Antidepressiva) und Theophyllin.

Literaturhinweise

Drogenmonographien

HMPC, ESCOP, Kommission E, WHO Vol. 2

Weiterführende Literatur

Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Johanniskraut, Nr. 1438; Quantifizierter Johanniskrauttrockenextrakt, Nr. 1874)

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