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Gundelrebe / Gundermann

Gundelrebe / Gundermann
Foto: J. Rosse

Botanische Bezeichnung

(Gewöhnliche) Gundelrebe,
(Gewöhnlicher) Gundermann – Glechoma hederacea L.

Familie

Lippenblütler (Lamiaceae)

Wissenswertes zur Pflanze

Die Gundelrebe/der Gundermann ist eine in Mittel- und Nordeuropa, der Kaukasusregion bis Westsibirien verbreitete ausdauernde Pflanze; in Nord-Amerika ist sie eingebürgert. In Mitteleuropa wächst sie häufig in Hecken, an Mauern, auf feuchten Wiesen, in lichten Wäldern und an Wald- und Gebüschrändern bis in Höhen von 1500 m und ist in Mitteleuropa als Bienenweide eine wichtige Pflanze.

Der Gattungsnamen Glechoma leitet sich ab von gr. ‚glechon‘, was eigentlich der griechische Name für die Poleiminze (Mentha pulegium L.) ist, möglicherweise weil diese der Gundelrebe stark ähnelt. Das Artepitheton hederacea bezieht sich auf die Blätter der Gundelrebe, die dem Laub des ebenfalls wintergrünen Efeus sehr ähnlich sind (Hedera = Efeu, lat. ‚hederaceus‘ = efeuartig). Die Gundelrebe „klammert sich mit ihrem kriechenden, an den unteren Knoten wurzelnden Stängeln an den Grund, wie die Rebe an Stamm und Mauer“; diese Erscheinungsform unterstreicht die Ähnlichkeit mit Efeu, das sich ja auch an Mauern klammert und zeigt die Verbindung zum deutschen Name „Gundelrebe“. Dieser kommt aus dem althochdeutschen ‚grund(e)rӗba‘, das über mittelhochdeutsch ‚grunderӗbe‘ zu neuhochdeutsch ‚Gundelrebe‘ wurde. Im 12. Jhdt. wird der Pflanzenname nach dem Vorbild des Männernamens Gundram umgebildet zu Gundermann. Beide Namen sind bei uns gebräuchlich – Gundelrebe und Gundermann.

Die Gundelrebe ist eine wintergrüne, ausdauernde 5 bis 20 cm hohe Pflanze mit auf­steigenden und kriechenden, an den Knoten wurzelnden Stängeln, fast kahl bis dicht behaart; nach der Blütezeit treibt sie über 1 m lange Ausläufer. Die Blätter sind nieren- bis herzförmig, der Blattrand grob und stumpf gezähnt. Die Blüten stehen achselständig in Scheinquirlen (2 bis 6 Blüten), der Kelch ist oft violett überlaufen, die blauviolette (selten weiße) Blütenkrone ist 1 bis 2 cm lang mit ausgerandeter Oberlippe und etwas längerer, deutlich dreilappiger Unterlippe. Die Gundelrebe gilt als für Tiere giftig, besonders für Pferde. Blütezeit ist März bis Mai.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile (Droge)

Verwendet werden die getrockneten oberirdischen Teile bestehend aus Stängeln, Blättern und Blüten (Gundelrebenkraut/Gundermannkraut – Glechomae herba).
Die im Handel befindliche Droge stammt aus osteuropäischen Ländern (Wildsammlung).

Inhaltsstoffe der Droge

Gundelrebenkraut enthält ätherisches Öl, Lamiaceen-Gerbstoffe, Flavonoide, Triter­pen­carbonsäuren und Spuren an Alkaloiden.

Qualitätsbeschreibungen

Die Qualität von Gundelrebenkraut ist im Deutschen Arzneimittel-Codex (DAC) festgelegt.

Medizinische Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

Gundelrebenkraut wurde bisher weder vom HMPC noch von der ESCOP bearbeitet; auch die Kommission E hat dazu keine Monographie erstellt.

Gundelrebenkraut wird volkstümlich bei leichten Erkältungen und bei Husten sowie bei Beschwerden im Magen-Darm-Trakt angewendet; äußerlich in Form von Bädern bei Haut­krankheiten.

Traditionelle Anwendung

Registrierung eines alkoholischen Extrakts aus Gundelrebenkraut (DEV 2:1) als tra­ditionelles Arzneimittel mit dem Anwendungsgebiet „zur Besserung des Befindens bei leichten Gallenbeschwerden wie Völlegefühl und Blähungen bei bekannten, nicht opera­tionsbedürftigen Gallensteinen“.

Arzneiliche Drogenzubereitungen in Fertigarzneimitteln

  • Gundelrebenkraut als Tee
  • alkoholischer Extrakt (DEV 2:1)
  • Fluidextrakt
  • Glechoma hederacea Urtinktur

Dosierung

Fertigarzneimittel und Fertigpräparate: siehe Packungsbeilage bzw. Einnahmevorschrift; Teeaufguss: 2- bis 4-mal täglich 1 Tasse frisch bereiteten Gundelrebentee warm trinken.

Bereitung eines Teeaufgusses

2 bis 4 g fein geschnittenes Gundelrebenkraut mit 150 mL kochendem Wasser übergießen, 5 Min. ziehen lassen und abseihen.

Hinweise

Gundelrebenkraut wird vorwiegend volksheilkundlich verwendet, detaillierte Erkenntnisse zur Wirkung und zu unerwünschten Wirkungen liegen nicht vor. Insofern wird von der Anwen­dung während der Schwangerschaft oder Stillzeit und bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren abgeraten.

Nebenwirkungen

Bei höherer Dosierung kann es zu Magen-Darm-Katarrh und zu einer Darmkolik kommen.

Wechselwirkungen

Keine bekannt

Literaturhinweise

Drogenmonographien

Keine

Weiterführende Literatur

Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka

 

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