Arzneipflanzenlexikon

Majoran

Majoran
Foto: © P. Schönfelder

Botanische Bezeichnung

Majoran – Origanum majorana L.

Familie

Lippenblütler (Lamiaceae)

Wissenswertes zur Pflanze

Der Majoran ist im östlichen Mittelmeergebiet beheimatet und war schon bei den alten Ägyptern, Griechen und Römern ein beliebtes Küchengewürz. Heute wird er besonders im Mittelmeerraum sowie in den gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel angebaut und hat nach wie vor als Gewürz große Bedeutung.

Der Gattungsname Origanum leitet sich ab von gr. ‚oraos‘ (= Berg) und ‚ganos‘ (= Schmuck, Zierde). Offensichtlich wurden die Origanum-Arten als „Bergzierde“ gesehen. Das Artepitheton majorana war ursprünglich der Gattungsname der Pflanze als sie noch Majorana hortensis Moench hieß; dieser Name gilt heute als Synonym von Origanum majorana L., dem heute gültigen Namen. Majorana war ein arabischer Pflanzennamen, der als Artname dient und auch in den deutschen Namen „Majoran“ übernommen wurde.

Majoran wird bis 50 cm hoch, ist verzweigt und meist behaart. Die kurz gestielten Blätter stehen kreuzgegenständig am vierkantigen Stängel. Die Blüten sind rosa oder weiß und stehen endständig in kopfartigen Blütenständen. Der Kelch ist einlippig, seitlich mit einer tiefen Einbuchtung, die Blütenkrone eine Lippenblüte mit einer 2-lappigen Oberlippe und einer 3-lappigen Unterlippe. Majoran riecht charakteristisch würzig nach dem im Kraut enthaltenen ätherischen Öl. Es befindet sich in Drüsenschuppen auf der Blattoberfläche und wird frei, wenn man beim Zerreiben diese Drüsen verletzt.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile (Droge)

Verwendet wird das getrocknete Kraut (Majorankraut – Origani majoranae herba) mit seinem würzigen Geruch nach dem in der Droge enthaltenen ätherischen Öl.
Die Droge des Handels stammt aus Mittelmeerländern.

Inhaltsstoffe der Droge

Majorankraut enthält ätherisches Öl (Majoranöl) mit Terpinen-4-ol, cis-Sabinenhydrat und γ-Terpinen als Hauptinhaltsstoffe; außerdem Flavonoide, Phenylpropanglykoside, Lamia­ceen-Gerbstoffe und Triterpensäuren.

Qualitätsbeschreibungen

Für Majorankraut (Origani majoranae herba) steht keine Arzneibuch-Qualitätsbeschreibung zur Verfügung.

Medizinische Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

Das HMPC hat Majorankraut als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (siehe „Traditionelle Anwendung“).
ESCOP: Majorankraut wurde bisher nicht bearbeitet.
Kommission E: Von der Kommission E erhielt Majorankraut, auch Majoranöl, eine Negativ­verabschiedung, da das damals vorhandene wissenschaftliche Erkenntnismaterial die Wirksamkeit nicht belegen konnte und Risiken wegen des (sehr geringen) Gehalts an Arbutin und Hydrochinon nicht auszuschließen waren. Die Kommission E lehnt eine therapeutische Anwendung von Majorankraut ab.

Traditionelle Anwendung

Majorankraut wurde vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel (§ 39a AMG) eingestuft. Basierend auf langjähriger Erfahrung kann Majorankraut innerlich zur Behand­lung leichter Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl und Blähungen eingesetzt werden; äußerlich bei Entzündungen im Naseneingang.

Arzneiliche Drogenzubereitungen in Fertigarzneimitteln

  • geschnittenes Majorankraut zur Teebereitung
  • alkoholischer Extrakt (DEV 1:5) in Weiße Vaseline eingearbeitet als Salbe

Dosierung

Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Teeaufguss: 1- bis 2-mal täglich 1 Tasse Majorankrauttee eine halbe Stunde vor dem Essen trinken. Tagesdosis 2 bis 8 g Droge.
Zur Behandlung einer Entzündung im Naseneingang bei Kindern und Erwachsenen 2- bis 4-mal täglich die Salbe auftragen.

Bereitung eines Teeaufgusses

2 bis 4 g fein geschnittenes Majorankraut mit 150 mL heißem Wasser übergießen (nicht kochen!), 5 bis 10 Min. ziehen lassen und abseihen.

Hinweise

Beim Auftragen einer Majoransalbe am Naseneingang muss darauf geachtet werden, dass keine Salbe in den inneren Nasenraum gelangt. Bei Kindern unter 1 Jahr soll Majoran-Nasensalbe nicht aufgetragen werden.
Für die Einnahme von Majorankraut während der Schwangerschaft oder Stillzeit liegen noch keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor; von einer innerlichen Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren wird wegen mangelnder Erkenntnisse abgeraten.

Nebenwirkungen

Keine bekannt

Wechselwirkungen

Keine bekannt

Literaturhinweise

Drogenmonographien

HMPC (2016, 2023), Kommission E (1992)

 

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