Kooperation Phytopharmaka

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Tang / Algen

Tang / Algen
Foto: aus Hänsel/Hölzl

Botanische Bezeichnung

Blasentang – Fucus vesiculosus L.
Sägetang – Fucus serratus L.
Knotentang – Ascophyllum nodosum Le Jol.

Familie

Meertange (Fucaceae)

Wissenswertes zur Pflanze

Bei allen drei Tang-Arten handelt es sich um mehrjährige Braunalgen, die an den Meeres­küsten des Nordatlantiks und in der Brandungszone und den oberen Gezeitenzonen der Nord- und Ostsee wiesenartig wachsen. Der Algenkörper (= Thallus) besteht aus blattartigen Assimilatoren (= Phylloide), einem stängelartigen Tragorgan (= Cauloid) und einem wurzelartigen Haftorgan (Rhizoid). Mit den blattartigen, ledrigen Phylloiden erreicht der Tang die Meeresoberfläche und kann das Oberflächenlicht zur Energiegewinnung durch Photosynthese nutzen.

Der Thallus des Blasentangs ist 2 bis 5 m lang, lederartig, olivfarben bis gelblichbraun und gabelig verzweigt. Das Artepitheton vesiculosus leitet sich ab von lat. ‚vesicula‘ (= Bläschen) und bedeutet „bläschenreich“. Damit sind die rundlichen, gasführenden Schwimm­blasen („Blasen“-Tang) angesprochen, die an der Mittelrippe der Phylloide paarig, an der Verzweigung einzeln sitzen; damit können sich die Thalli im Wasser schwimmend aufrecht halten. Der olivbraune, bis 1 m lang werdende Sägetang hat keine Schwimm­blasen, er wächst buschig; seine Phylloide sind einfach oder doppelt gesägt, was sich auch im Artepitheton serratus widerspiegelt, abgeleitet von lat. ‚serra‘ (= Säge). Der Thallus des Knotentangs wird bis 1,5 m lang, ist durch gabelig verzweigte Langtriebe und Kurztriebe gegliedert, hat keine Mittelrippe, seine Schwimmblasen sind oval. Der Gattungsnamen Ascophyllum leitet sich ab von gr. ‚askos‘ (= Beutel aus Leder oder Tierhaut) und gr. ‚phyllum‘ (= Blatt), das Artepitheton nimmt auf die „Knoten“ Bezug: lat. ‚nodus‘ = Knoten, ‚nodosus‘ = knotig.

Aus verschiedenen Braunalgen wird Alginsäure gewonnen; sie wird in Form ihrer Salze – Alginate genannt – in der Lebensmittelindustrie als Dickungsmittel, Gelbildner, Emulsions­stabilisatoren oder als Schutzkolloide verwendet.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile (Droge)

Verwendet wird der zerkleinerte, getrocknete Thallus (Tang – Fucus vel Ascophyllum).
Sammlung aus Wildvorkommen, Hauptlieferländer sind Frankreich, Irland und die Staaten an der Ostküste der USA.

Inhaltsstoffe der Droge

Tang enthält 0,03 – 0,1 % Gesamtjod, das entweder als anorganisches Salz vorliegt oder an Proteine oder Lipide gebunden ist, auch liegt es in Form von Iodaminosäuren vor (u.a. Diiodtyrosin = Iodgorgosäure); Alginsäure (ein Polysaccharid der Zellwand, bis zu 30 %), Laminarin, Fucane, Fucole, Fucophloretole, Phlorotannine; Tange akkumulieren auch Arsen und Schwermetalle (Blei, Cadmium, Quecksilber).

Qualitätsbeschreibungen

Die Qualität von Tang ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt.

Medizinische Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

Das HMPC hat Tang als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (siehe „Traditionelle Anwendung“).
Von der Kommission E (1990) erhielt Tang eine Negativverabschiedung, da das damals vorhandene wissenschaftliche Erkenntnismaterial die Wirksamkeit nicht belegen konnte. Bis zu einer Tagesdosis von 150 µg Jod/Tag waren allerdings keine Risiken dokumentiert, andererseits wird oberhalb dieser Dosierung die Gefahr der Auslösung oder Ver­schlimmerung einer Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) gesehen.

Traditionelle Anwendung

Tang wurde vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel (§ 39a AMG) eingestuft. Basierend auf langjähriger Erfahrung kann Tang begleitend während einer Kalorien-reduzierten Diät zur Gewichtsreduktion übergewichtiger Erwachsener eingesetzt werden, wenn ärztlicherseits eine ernsthafte Erkrankung ausgeschlossen wurde.

Arzneiliche Drogenzubereitungen in Fertigarzneimitteln

Blasentang und Knotentang (auch „Kelp“ genannt) sind als gemahlene Pulver entweder lose oder in Kapseln abgefüllt als Fertigpräparate im Handel, auch Extrakte dieser Braunalgen in Form von Dragee. Dabei handelt es sich nicht um Arzneimittel, sondern um Nahrungsergänzungsmittel.

Dosierung

Fertigpräparate siehe Packungsbeilage bzw. Einnahmevorschrift

Bereitung eines Teeaufgusses

entfällt

Hinweise

Tang wird als Nahrungsergänzungsmittel gehandelt mit der Aussage, dass Jod „zur normalen kognitiven Funktion“ oder zu „einem normalen Energiestoffwechsel“ beiträgt; auch werden Braunalgenpräparate als „Entfettungs- und Schlankheitsmittel“ angepriesen. Die Wirksamkeit ist nicht belegt und da der Jodgehalt stark schwankt, kann eine thera­peutische Anwendung nicht befürwortet werden (siehe Kommission E). Von einer Anwendung während der Schwangerschaft oder Stillzeit und bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren wird dringend abgeraten.

Nebenwirkungen

Selten Überempfindlichkeitsreaktionen in Form einer schweren Allgemeinreaktion

Wechselwirkungen

Keine bekannt

Literaturhinweise

Drogenmonographien

HMPC, Kommission E (Negativmonographie)

Weiterführende Literatur

Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Tang, Nr. 1426)

 

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