Arzneipflanzenlexikon

Kiefer / Föhre

Kiefer / Föhre
Foto © P. Schönfelder

Botanische Bezeichnung

(Wald)-Kiefer, Föhre – Pinus sylvestris L.

Familie

Kieferngewächse (Pinaceae)

Wissenswertes zur Pflanze

Dank ihrer Genügsamkeit in Bezug auf Wasser, Boden und Klima ist die harzreiche und an Varietäten reiche Waldkiefer eine wichtige Nadelbaumart der europäischen Wälder. Sie ist über weite Teile Europas verbreitet: in Skandinavien bis zum 70. Breitengrad, im Süden reicht das Verbreitungsgebiet bis zur Sierra Nevada, im Osten dann über den Kaukasus nach Kleinasien und durch Sibirien bis ins Amurgebiet; auch ist sie in höheren Berglagen der Alpen anzutreffen. Sie bildet große Waldflächen, wodurch sich der Name des Artepithetons sylvestris erklärt, abgeleitet von lat. ‚silva‘ (= Wald) bzw. lat. ‚silvestris‘ (= Wald-, waldig, im Wald lebend); die Schreibweise ‚sylvestris‘ schrieb Linné nach der Gewohnheit seiner Zeit, heute findet man beide Schreibweisen.

Der Stamm der Kiefer wird bis 40 m hoch und ist bei den älteren Bäumen bis hoch hinauf astfrei, ihre Krone schirmförmig. Die Borke der jungen Waldkiefer ist fuchsrot, dünn sich ablösend, bei älteren Bäumen ist sie außen graubraun, innen rostrot rissig, in Stücken sich ablösend, also eine starke Schuppenborke. Die Nadeln der Kiefer sind 5 bis 10 cm lang, innerseits wachsüberzogen; sie stehen paarweise an Kurztrieben, die den Zweig flaschen­bürstenartig ummanteln. Die Kiefer blüht jedes Jahr, die Samen stehen dann im 2. Jahr nach der Blüte in konischen Zapfen, die alleine oder in Gruppen am Zweig hängen; im Herbst sind dann die leeren Zapfen unter dem Baum zu finden.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile (Droge)

Verwendet werden die Zweigsprosse (Kiefernsprosse - Pini turiones) bestehend aus den frischen oder getrockneten 3 bis 5 cm langen, im Frühjahr gesammelten Trieben sowie das aus den frischen Nadeln und Zweigen durch Wasserdampfdestillation gewonnene ätherische Öl (Kiefernnadelöl – Pini silvestris aetheroleum).

Inhaltsstoffe der Droge

Kiefernsprosse enthalten ätherisches Öl, Harze, Flavonoide und Bitterstoffe; Kiefernnadelöl besteht zu über 80 % aus Monoterpen-Kohlenwasserstoffen: Pinen, Δ3-Caren, Myrcen, Limonen, Camphen u.a.; außerdem sind sauerstoffhaltige Monoterpene (Bornylacetat u.a.) sowie Sesquiterpene (u.a. Caryophyllen, α-Humulen, Germacren D) enthalten.

Qualitätsbeschreibungen

Für Kiefernsprosse (Pini turiones) steht keine Arzneibuch-Qualitätsbeschreibung zur Ver­fügung.
Die Qualität des Kiefernnadelöls (Pini silvestris aetheroleum) ist im Europäischen Arznei­buch (Ph. Eur.) festgelegt.

Medizinische Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

Kiefernsprosse und Kiefernnadelöl wurden bisher weder vom HMPC noch von der ESCOP bearbeitet.
Die Kommission E (1990) hat sowohl frische/getrocknete Kiefernsprosse als auch das Kiefern­nadelöl bearbeitet und beschreibt für die innerliche Anwendung dieser beiden Drogen identische Anwendungsgebiete: innerlich bei katarrhalischen Erkrankungen der oberen und unteren Luftwege. Die Formulierung für die äußerliche Anwendung der Kiefern­sprosse lautet: äußerlich zur Behandlung leichter Muskel- und Nervenschmerzen; bei Kiefernnadelöl steht: äußerlich bei rheumatischen und neuralgischen Beschwerden.

Traditionelle Anwendung

Kiefernsprosse und Kiefernnadelöl erhielten bisher keine Einstufung als traditionelles Arzneimittel im Sinne des § 39a AMG.

Arzneiliche Drogenzubereitungen in Fertigarzneimitteln

Kiefernsprosse als Sirup oder Tinktur; für äußerliche Anwendung halbfeste Zubereitungen mit Extrakten.
Kiefernnadelöl in alkoholischen Lösungen (auch Zusatz zu Franzbranntwein), Salben, Cremes, Emulsionen, Ölen und Bädern (Erkältungsbad) zur äußeren Anwendung.

Dosierung

Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;

Kiefernsprossen
Mehrmals täglich 2 bis 3 g Kiefernsprossen; Zubereitungen entsprechend.

Kiefernnadelöl
Innerlich: mehrmals täglich 3 bis 4 Tropfen Kiefernnadelöl auf einem Stück Zucker oder in Wasser einnehmen.
Äußerlich: Zur Inhalation einige Tropfen Kiefernnadelöl auf heißes Wasser geben und inhalieren. 5 g Öl als Badezusatz in ein Vollbad (35 – 38°C) geben und 10 bis 20 Min. darin baden.

Hinweise

Kiefernnadelöl soll nicht angewendet werden bei Bronchialasthma und Keuchhusten und nie im Bereich der Augen.
Bei Säuglingen und Kleinkindern bis zu 2 Jahren kann Kiefernnadelöl einen Stimmritzenkrampf (Glottiskrampf, Laryngospasmus) auslösen, schlimmstenfalls mit Atemstillstand, deshalb Kiefernnadelöl nie im Gesicht auftragen! Vorsorglich wird von einer Anwendung bei Kindern bis zu 4 Jahren abgeraten.
Keine Anwendung von Bädern bei größeren Hautverletzungen, entzündlichen Haut­krankheiten, Fieber, Herzinsuffizienz und hohem Blutdruck.

Nebenwirkungen

Reizerscheinungen an Haut und Schleimhäuten

Wechselwirkungen

Keine bekannt

Literaturhinweise

Drogenmonographien

Kommission E (1990)

Weiterführende Literatur

Schilcher: Leitfaden Phytotherapie,
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Kiefernnadelöl, Nr. 1842)

 

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