Kooperation Phytopharmaka

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Brennnessel

Brennnessel
© Sertürner Bildarchiv

Botanische Bezeichnung

Große Brennnessel – Urtica dioica L.
Kleine Brennnessel – Urtica urens L.

Familie

Brennnesselgewächse (Urticaceae)

Wissenswertes zur Pflanze

Die Brennnessel ist eine kosmopolitische Ruderalpflanze, denn sie kommt in allen gemäßigten Zonen Europas, Asiens und Amerikas vor und besiedelt dort typische Ruderal­standorte. Als solche bezeichnet man vom Menschen beeinflusste Standorte wie Schutt-, Müll- und Hofplätze, Weg- und Straßenränder sowie Hecken, Mauern, Zäune, Äcker und Weideplätze. Meist handelt es dabei um nährstoffreiche Böden.

Die Brennnessel ist allen Menschen wohl bekannt durch ihr schmerzhaftes Brennen beim Berühren der Pflanze. Verursacht wird dies durch ihre Brennhaare, die auf den Blättern und Stängeln sitzen. Schon bei leichter Berührung bricht ihr kleines Köpfchen ab, die Abbruchstelle bildet dann einen scharfkantigen Rand, mit dem sich das Brennhaar in die Haut bohrt. Der unter hohem Druck stehende Zellsaft mit Ameisensäure, Acetylcholin und Histamin wird dabei wie mit einer Kanüle unter die Haut gespritzt und verursacht dort einen juckenden Ausschlag. Diese Eigenschaft spiegelt sich im lateinischen und deutschen Namen der Pflanze wider. Urtica leitet sich von lat. ‚urere’ (= brennen) ab, nochmals verstärkt durch das Artepitheton urens bei der Kleinen Brennnessel (U. urens). Im Deutschen ist dieses „Brennen“ mit „Nessel“ kombiniert. Damit wird auf die Nutzung der Brennnessel als heimische „Gespinnstpflanze“ (Faserpflanze) Bezug genommen, denn vor Einführung der Baumwolle in Europa wurden die Sklerenchymfasern der Brennnessel-Stängel zu Tuch versponnen. Heutzutage wird das Nesseltuch aus ungebleichten Baumwollgarnen hergestellt.

Arzneilich genutzt werden beide Brennnessel-Arten. Die ausdauernde Große Brennnessel (U. dioica) kann bis zu 150 cm hoch werden, der vierkantige Stängel ist mit Brennhaaren und Borstenhaaren besetzt. Die gesägten Blätter mit Borsten- und Brennhaaren sitzen daran kreuzgegenständig; sie sind am Grunde herzförmig und laufen spitz aus. Die kleinen unscheinbaren Blüten stehen in rispenartigen Blütenständen (Thyrsen); die Pflanze ist zweihäusig (diözisch – dioica), d.h. dass männliche und weibliche Blüten auf verschiedenen Pflanzen stehen. Die einjährige Kleine Brennnessel (U. urens) ist mit 10 bis 50 cm deutlich kleiner, auch ihre rundlichen Blätter sind kleiner und tragen nur Brennhaare, keine Borstenhaare. Die Blüten sind gelblich und zierlicher als bei der Großen Brennnessel; auch ist die Pflanze einhäusig. Blütezeit ist bei beiden Arten von Mai bis Oktober.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile (Droge)

Verwendet werden von beiden Arten die getrockneten Blätter (Brennnesselblätter - Urticae folium) bzw. das getrocknete Kraut (Brennnesselkraut - Urticae herba) bestehend aus Stängeln und Blättern sowie die Wurzeln (Brennnesselwurzel - Urticae radix). Die Drogen des Handels stammen aus Wildvorkommen in Mittel- und Osteuropa.

Inhaltsstoffe der Droge

Brennnesselblätter (auch Brennnesselkraut) enthalten Flavonoide und Kaffeesäureester.
Brennnesselwurzel enthält Lektine, Phytosterole, Lignane und Poly­saccharide.

Qualitätsbeschreibungen

Die Qualität folgender Drogen ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt:

  • Brennnesselblätter (Urticae folium)
  • Brennnesselwurzel (Urticae radix)
Die Qualität folgender Drogen bzw. Drogenzubereitungen ist im Deutschen Arzneimittel-Codex (DAC) festgelegt:
  • Brennnesselkraut (Urticae herba)
  • Brennnesselblättertinktur (Urticae folii tinctura)
  • Brennnesselwurzeltinktur (Urticae radicis tinctura)

Medizinische Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

Brennnesselblätter
Das HMPC hat Brennnesselblätter (und Brennnesselkraut) als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (siehe „Traditionelle Anwendung“).
ESCOP, Kommission E: Zur Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und zur unterstützenden Behandlung rheu­matischer Beschwerden; als Durchspülung zur Vorbeugung und Behandlung von Nierengrieß (Kommission E).

Brennnesselwurzel
Das HMPC hat Brennnesselwurzel als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (siehe „Traditionelle Anwendung“).
ESCOP: zur symptomatischen Behandlung von Miktionsbeschwerden im Zusammenhang mit Benigner Prostatahyperplasie (BPH) im Stadium I und II (nach Alken) oder Stadium II und III (nach Vahlensieck) wie schmerzhaftes und häufiges Wasserlassen, nächtlicher Harndrang, Harnverhalten.
Kommission E: Miktionsbeschwerden bei Prostataadenom Stadium I bis II nach Alken

Traditionelle Anwendung

Brennnesselblätter und Brennnesselkraut
Brennnesselblätter und Brennnesselkraut wurden vom HMPC als traditionelle pflanzliche Arzneimittel (§ 39a AMG) eingestuft. Basierend auf langjähriger Erfahrung können Brennnesselblätter und Brennnesselkraut bei leichten Gliederschmerzen eingesetzt werden sowie bei Harnwegsbeschwerden zur Erhöhung der Urinmenge und damit zur besseren Durchspülung der ableitenden Harnwege. Äußerlich angewendet kann Brennnesselkraut zur Behandlung seborrhoischer Haut dienen.
Traditionell angewendet zur Unterstützung der Ausscheidungsfunktion der Niere (tradi­tionelle Anwendung nach § 109a).

Brennnesselwurzel
Brennnesselwurzel wurde vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel (§ 39a AMG) eingestuft. Basierend auf langjähriger Erfahrung kann Brennnesselwurzel bei Beschwerden der ableitenden Harnwege im Zusammenhang mit Benigner Prostata­hyperplasie (BPH) eingesetzt werden.
Traditionell angewendet zur Unterstützung der Ausscheidungsfunktion der Niere (traditionelle Anwendung nach § 109a).

Arzneiliche Drogenzubereitungen in Fertigarzneimitteln

Brennnesselblätter bzw. Brennnesselkraut

Brennnesselwurzel

Dosierung

Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Teeaufguss: 3- bis 4-mal täglich eine Tasse Brennnesselblättertee (Brennnesselkrauttee) trinken; mittlere Tagesdosis 10 bis 20 g Droge. Sinnvoll ist eine Kombination mit anderen Drogen wie Echtes Goldrutenkraut, Hauhechelwurzel, Orthosiphonblätter oder Birken­blätter (Blasen- und Nierentee, Harntee).
Um die Wirkung der Brennnesselwurzel zur Behandlung der Benignen Prostatahyperplasie (BPH) zu gewährleisten, wird angeraten, diese in Form von Fertigarzneimitteln anzuwenden; die Dosierung ist der Packungsbeilage zu entnehmen.

Bereitung eines Teeaufgusses

4 Teelöffel (ca. 2,8 g) fein geschnittene Brennnesselblätter (Brenn­nesselkraut) mit ca. 150 mL kochendem Wasser übergießen und nach 10 bis 15 Min. abseihen. Der Teeaufguss mit Brennnesselwurzel muss mit der grob pulverisierten Droge zubereitet werden; dafür werden pro Dosis 1,5 g Droge mit 150 mL kaltem Wasser versetzt, der Ansatz zum Kochen gebracht, 1 Min. am Sieden erhalten, dann vom Herd genommen und nach 10 Min. abgeseiht.

Hinweise

Brennnesselblätter bzw. Brennnesselkraut sollen bei akuter Arthritis, kenntlich an Schwellungen, Rötungen und Fieber, nicht angewendet werden, da diese ärztlichen Rats bedarf. Beim Vorliegen von Ödemen infolge eingeschränkter Herz- und Nierentätigkeit soll eine Durch­spülungstherapie mit Brennnesselblättern bzw. Brennnesselkraut oder Brennnesselwurzel nicht durchgeführt werden. Von einer Kombination mit synthetischen entwässernden Arzneimitteln (Diuretika) wird abgeraten. Bei einer Durch­spülungstherapie muss reichlich Flüssigkeit getrunken werden. Bei Verschlimmerung der Beschwerden (z.B. Fieber, Harnverhalten, Blut im Urin) ist unbedingt ärztlicher Rat einzuholen.
Für die Anwendung von Brennnesselblätter bzw. Brennnesselkraut während der Schwangerschaft und Stillzeit liegen noch keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor. Für eine Anwendung bei Kindern unter 12 Jahren reichen die Erkenntnisse noch nicht aus. Für die Einnahme von Brennnesselwurzeln von Frauen, Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren besteht keine Indikation.

Nebenwirkungen

Bei der Einnahme von Brennnesselblätter (-kraut) und Brennnesselwurzel kann es zu Hautreaktionen und gelegentlich zu Magen-Darm-Beschwerden kommen.

Wechselwirkungen

Keine bekannt

Literaturhinweise

Drogenmonographien

HMPC, ESCOP, Kommission E, WHO Vol. 2

Weiterführende Literatur

Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Brennnesselblätter, Nr. 1897; Brenn­nessel­wurzel, Nr. 2538)

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