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Schöllkraut

Schöllkraut
© Sertürner Bildarchiv

Botanische Bezeichnung

Schöllkraut – Chelidonium majus L.

Familie

Mohngewächse (Papaveraceae)

Wissenswertes zur Pflanze

Chelidonium majus, das Schöllkraut, ist die einzige Art der Gattung Chelidonium. Sie ist vom subarktischen bis zum mediterranen Europa heimisch und kommt auch in den gemäßigten und subarktischen Gebieten Asiens vor. In Nordamerika ist das Schöllkraut vermutlich eingeschleppt. Es ist eine typische Ruderalpflanze, d.h. es wächst auf vom Menschen beeinflussten Standorten wie Schutt-, Müll- und Hofplätzen, an Weg- und Straßenrändern sowie an Hecken, Mauern, Zäunen, auf Äckern und Weideplätzen. Da die Samen mit ihrem süß-klebrigen Samenanhängsel (Elaiosom) leicht an Ameisen kleben bleiben, findet man es häufig auch in Mauerritzen.

Der Gattungsname Chelidonium leitet sich von griech. ‚chelidon’ (= Schwalbe) ab, jedoch ist nicht ganz klar, wie das zu deuten ist. Theophrast, der griechische Philosoph und Naturforscher, bringt es mit der Beobachtung in Verbindung, dass die Pflanze mit dem Eintreffen der Schwalben zu blühen beginnt und mit deren Abzug welkt. Das mag in Griechenland stimmen, wo das Schöllkraut sicher früher blüht als bei uns. In Mitteleuropa blüht es nach dem Eintreffen der Schwalben, aber typischerweise den ganzen Sommer über von Mai bis September. Sehr charakteristisch ist, dass an einer bereits welkenden Pflanze immer noch gelbe Blüten neben den bereits reifen Schoten stehen. Eine andere Deutung findet Plinius, der fabelt, die Schwalben stellten mit den Blüten die Sehkraft ihrer Jungen wieder her. Der deutsche Namen ist eine sprachliche Umbildung des lateinischen Namens, ursprünglich „Schellkraut“ (von Chelidonium).

Das Schöllkraut ist eine 30 bis 60 cm hohe Staude mit verzweigtem und abstehend behaartem Stängel. Daran sitzen unpaarig buchtig-gefiederte Blätter, oberseits hellgrün, unterseits blaugrün und bereift. Die Blüten bestehen aus vier leuchtend gelben Kron­blättern und zahlreichen Staubblättern. Aus den Fruchtknoten entwickeln sich ca. 5 cm lange, schmale Schoten mit vielen kleinen schwarzen Samen, die das oben erwähnte weißliche, süß-klebrige Anhängsel (Elaiosom) tragen, mit dem die Samen durch Tiere leicht und weit verbreitet werden. In allen Teilen führt die Pflanze einen orangefarbenen Milchsaft, der beim Verletzen der Pflanze, so auch beim Pflücken, austritt und die Finger gelb einfärbt. Die Farbe wird durch Carotinoide und einige Alkaloide im Milchsaft verursacht, insbesondere durch Sanguinarin (lat. ‚sanguis’ = Blut).

Arzneilich verwendete Pflanzenteile (Droge)

Verwendet wird das zur Blütezeit gesammelte, getrocknete Kraut bestehend aus Blätter, Blüten und Stängeln (Schöllkraut - Chelidonii herba). Die im Handel befindliche Droge stammt vorwiegend aus Osteuropa.

Inhaltsstoffe der Droge

Schöllkraut enthält Alkaloide, vorwiegend vom Benzylisochinolintyp (z.B. Coptisin, Chelidonin, Sanguinarin), Chelidonsäure und Kaffeesäurederivate.

Qualitätsbeschreibungen

Die Qualität des Schöllkrauts (Chelidonii herba) ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt.

Medizinische Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

Das HMPC hatte ursprünglich eine Einstufung von Schöllkraut als traditionelles Arzneimittel vorgesehen. Nach Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses veröffentlichte der HMPC ein Statement, das von der Einnahme von Schöllkraut-Zubereitungen wegen unerwünschter Wirkungen auf die Leber abrät (siehe auch unter „Hinweise“).
ESCOP: Zur symptomatischen Behandlung leichter Krämpfe im oberen Gastro­intestinaltrakt und bei leichten Gallenbeschwerden sowie bei dyspeptischen Beschwerden wie z.B. Blähungen.
Kommission E: Bei krampfartigen Beschwerden im Bereich der Gallenwege und des Magen-Darm-Trakts.

Traditionelle Anwendung

enfällt

Arzneiliche Drogenzubereitungen in Fertigarzneimitteln

Dosierung

Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Teeaufguss: Von der Anwendung des Schöllkrauts als Teeaufguss wird wegen der möglichen Nebenwirkungen abgeraten.

Bereitung eines Teeaufgusses

entfällt

Hinweise

Bei bestehenden oder in der Krankheitsgeschichte vorkommenden Lebererkrankungen soll Schöllkraut nicht eingenommen werden. Ebenso soll bei Gallensteinleiden oder bei einem Verschluss der Gallenwege Schöllkraut nicht eingenommen werden, zumindest nicht in einer Dosis von über 2,5 mg Alkaloide (siehe „Nebenwirkungen“).
Während der Schwangerschaft, Stillzeit oder bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren soll Schöllkraut nicht eingenommen werden.

Nebenwirkungen

Meldungen über Anstieg der Leberenzymaktivitäten und des Serumbilirubins bis zur Gelbsucht haben die Anwendung von Schöllkraut zeitweise in Frage gestellt. Aufgrund von Nachforschungen konnte man jedoch diese Nebenwirkung auf eine zu hohe Alkaloid-Tagedosis (15 bis 25 mg Alkaloide) zurückführen. Auch wird eine zu hohe Dosis der Alkaloide Sanguinarin und Chelerythrin, die aber hauptsächlich in den Wurzeln vorkommen, dafür verantwortlich gemacht. Auch wurde festgestellt, dass in den besagten Fällen Schöllkrautpräparate fälschlicherweise während einer akuten Leber- und Gallen­wegsentzündung angewendet wurden. Nach Absetzen des Schöllkrauts waren die Werte wieder rückläufig. Heute geht man davon aus, dass man bei einer Gesamtalkaloid-Tagesdosis von höchstens 2,5 mg nicht mit Nebenwirkungen rechnen muss.
Auf Grund der Datenlage zu Schöllkraut stuft das HMPC das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Schöllkraut als negativ ein. Es stehen bei der genannten Indikation sicherere pflanzliche Arzneimittel zur Verfügung.

Wechselwirkungen

Keine bekannt

Literaturhinweise

Drogenmonographien

HMPC, ESCOP, Kommission E, WHO (NIS)

Weiterführende Literatur

Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Schöllkraut, Nr. 1861)

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