Kooperation Phytopharmaka

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Salbei

Salbei
© Sertürner Bildarchiv

Botanische Bezeichnung

Echter oder Dalmatinischer Salbei –Salvia officinalis L.
Dreilappiger Salbei – Salvia fruticosa Mill.
(Syn. Salvia triloba L. f.)

Familie

Lippenblütler (Lamiaceae) 

Wissenswertes zur Pflanze

Als Heimat des Echten Salbeis gilt die Balkanhalbinsel, ursprünglich Dalmatien, heute ist er im gesamten Mittelmeergebiet bis Portugal verbreitet und wird in vielen Ländern auch kul­tiviert. Der Dreilappige Salbei wächst vor allem in Griechenland, auf Kreta und Zypern. Der Gattungsname Salvia leitet sich von lat. ’salvus’ (= gesund, heil, wohlbehalten, ge­rettet) ab, und bedeutet dann „die Heilende“. Dieser Wortstamm wurde dann als „Salbei“ auch ins Deutsche übernommen. Das Artepitheton des Echten Salbeis officinalis lässt darauf schließen, dass es sich um eine alte Arzneipflanze handelt; die „Offizin“ ist der Verkaufs­raum einer Apotheke und ‚officinalis’ bedeutet: in den Apotheken gebraucht. Das Artepitheton triloba kommt aus dem Lateinischen und bedeutet ‚dreilappig‘. Damit werden die für seine Blätter sehr typischen Öhrchen am Blattgrund angesprochen, die das Blatt dreilappig erscheinen lassen, deutlich stärker ausgeprägt als beim Echten Salbe.

Der duftende Halbstrauch des Echten Salbeis wird bis 70 cm, der des Dreilappigen Salbeis bis zu 1,20 m hoch. Beide verholzen in den unteren Teilen sehr schnell. Die Blätter sind relativ dick, graugrün und vor allem unterseits weiß-filzig behaart; beim Dreilappigen Salbei ist dies stärker ausgeprägt. Am Grunde tragen sie oft zwei kleine Nebenfiedern, Öhrchen genannt; beim Dreilappigen Salbei sind diese immer vorhanden und etwas größer. Beim Zerreiben duften die Blätter beider Arten sehr charakteristisch und angenehm nach dem ätherischen Öl. Es ist in Drüsenschuppen auf der Blattoberfläche enthalten. Beim Zerreiben werden sie verletzt und setzen das ätherische Öl frei. Oberhalb der Blattregion stehen zahlreiche blaue Lippenblüten in 5- bis 10-blütigen Quirlen als lockere Ähre angeordnet. Blütezeit ist Juni bis Juli.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile (Droge)

Verwendet werden die getrockneten Blätter (Salviae folium – Salbeiblätter; Salviae trilobae folium – Dreilappiger Salbei) mit ihrem typischen Salbeigeruch, der beim Zerreiben deutlich wahrzunehmen ist. Die im Handel befindliche Droge stammt aus Importen aus südosteuropäischen Ländern.

Inhaltsstoffe der Droge

Echte Salbeiblätter enthalten ätherisches Öl mit einem aromatischen Geruch nach Thujon, 1,8-Cineol und Campher; das Öl des Dreilappigen Salbeis enthält 1,8-Cineol als Haupt­komponente, weswegen der Geruch etwas an Eukalyptusöl erinnert. Beide Öle enthalten weitere Monoterpene. Außerdem sind bittere Diterpenphenole und Lamiaceen-Gerbstoffe (vorwiegend Rosmarinsäure) sowie Flavonoide enthalten.

Qualitätsbeschreibungen

Die Qualität folgender Drogen bzw. Drogenzubereitungen ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt:

  • Salbeiblätter (Salviae officinalis folium)
  • Salbeitinktur (Salviae tinctura)
  • Dreilappiger Salbei (Salviae trilobae folium)
Die Qualität des Dalmatinischen Salbeiöls (Salviae officinalis aetheroleum) ist im Deutschen Arzneimittel-Codex (DAC) festgelegt.

Medizinische Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

Salbeiblätter
Das HMPC hat Salbeiblätter als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (siehe „Traditionelle Anwendung“).
ESCOP: innerlich bei vermehrter Schweiß­sekretion; äußerlich bei Entzündungen der Mund- und Rachen­schleimhaut, bei Zahnfleisch­entzündungen.
Kommission E: innerlich bei dyspeptischen Beschwerden und vermehrter Schweiß­sekretion; äußerlich bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut.

Dreilappiger Salbei
HMPC: siehe „Traditionelle Anwendung“
ESCOP: bei Entzündungen und Infektionen in Mund und Hals, wie Zahnfleischentzündung, Mund- und Rachenschleimhautentzündung; außerdem bei Verdauungsbeschwerden (dyspeptische Beschwerden).

Salbeiöl
Das HMPC schreibt dem Salbeiöl wegen des Thujongehalts ein negatives Nutzen-Risiko-Verhältnis zu und rät von einer Anwendung des Salbeiöls ab (siehe „Hinweise“).

Traditionelle Anwendung

Salbeiblätter
Das HMPC hat Salbeiblätter als traditionelles pflanzliches Arzneimittel (§ 39a AMG) eingestuft. Basierend auf langjähriger Erfahrung kann Salbei innerlich bei leichten dyspep­tischen Beschwerden wie Sodbrennen und Blähungen sowie gegen vermehrte Schweiß­sekretion eingesetzt werden; äußerlich zur symptomatischen Behandlung von Ent­zündungen im Mund- und Rachenbereich und zur Behandlung leichter Haut­entzündungen.

Dreilappiger Salbei
Das HMPC hat die Erstellung einer Monographie abgebrochen, da in den verschiedenen Ländern uneinheitliche Erkenntnisse zur Wirksamkeit vorlagen; damit ist die für eine traditionelle Anwendung notwendige langjährige Erfahrung mit Dreilappigem Salbei nicht gegeben.

Arzneiliche Drogenzubereitungen in Fertigarzneimitteln

  • geschnittene Salbeiblätter bzw. geschnittener Dreilappiger Salbei als Tee
  • alkoholische (Tinktur) und wässrige Auszüge in Tropfen, Gurgellösungen und Salben
  • Fluidextrakt in Flüssigkeiten
  • Trockenextrakte in Tabletten
  • Wasserdampfdestillat in einer Mischungen mit anderen Drogen in Tropfen
  • Salbeiöl in Flüssigkeiten (nur zur äußeren Anwendung)

Dosierung

Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Teeaufguss: Tagesdosis 4 bis 6 g Salbeiblätter; Salbeitinktur: Tagesdosis 2,5 bis 7,5 g; Fluidextrakt: Tagesdosis 1,5 bis 3 g; Salbeiöl: äußerlich: Tagesdosis 0,1 bis 0,3 g.
Zum Gurgeln und Spülen mehrmals tgl. 2,5 g Droge bzw. 2-3 Tr. des ätherischen Öls auf 100 ml Wasser als Aufguss bzw. 5 g alkoholischer Auszug auf 1 Glas Wasser. Zur Pinselung mehrmals tgl. alkoholische Auszüge (Tinktur) unverdünnt auftragen.

Bereitung eines Teeaufgusses

3 g fein geschnittene Salbeiblätter bzw. Dreilappiger Salbei mit 150 mL kochendem Wasser übergießen und 10 min ziehen lassen und abseihen. Als Gurgellösung warm anwenden, zum Einnehmen bei Nachtschweiß kalt trinken. Gegen Magen-Darm-Beschwerden 2 g Droge mit 150 mL kochendem Wasser übergießen und nach 5 Min. abseihen.

Hinweise

Für die Anwendung von Salbei während der Schwangerschaft und Stillzeit liegen noch keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor. Für eine Anwendung bei Kindern und Jugendlichen reichen die Erkenntnisse noch nicht aus.

In einer öffentlichen Verlautbarung zu „Salbeiöl“ kommt das HMPC zu dem Schluss, dass bei der Abschätzung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses für die innerliche Anwendung von Salbeiöl das Risiko den Nutzen übersteigt. Dies ist durch den Gehalt an toxischem Thujon, ein Nervengift, bedingt, das bei länger dauernder Einnahme und bei zu hoher Dosierung Epilepsie-artige Krämpfe erzeugt. Somit ist die innerliche Anwendung von Salbeiöl nicht empfohlen. Bei der innerlichen Anwendung von Zubereitungen aus Salbeiblättern (Tee­aufguss, Tinktur) wird die toxische Dosis an Thujon nicht erreicht; trotzdem sollen Salbeizubereitungen nicht länger als 2 Wochen eingenommen werden. Eine Aufnahme von maximal 5,0 mg Thujon pro Tag ist vertretbar. Es wird empfohlen, für eine innerliche Anwendung möglichst Thujon-arme Chemotypen des Salbeis zu verwenden.

Nebenwirkungen

Keine bekannt

Wechselwirkungen

Salbeizubereitungen können die Wirkung von am GABA-Rezeptor angreifenden Arznei­stoffen (z.B. Barbiturate, Benzodiazepine) beeinflussen. Auch wenn dies klinisch nicht erwiesen ist, wird von einer gleichzeitigen Einnahme mit solchen Arzneistoffen abgeraten.

Literaturhinweise

Drogenmonographien

HMPC, ESCOP, Kommission E, WHO (NIS)

Weiterführende Literatur

Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Salbeiblätter, Nr. 1370; Salbeitinktur, Nr. 1889, Dreilappiger Salbei, Nr. 1561)

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