Kooperation Phytopharmaka

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Goldrute

Goldrute
© Sertürner Bildarchiv

Botanische Bezeichnung

Echte (Gewöhnliche) Goldrute
Solidago virgaurea L.,
Riesengoldrute
Solidago gigantea Ait.,
Kanadische Goldrute
Solidago canadensis L.

Familie

Korbblütler (Asteraceae)

Wissenswertes zur Pflanze

Der Formenkreis der Echten Goldrute ist über große Teile Europas, Asiens (mit Ausnahme des subtropisch-tropischen Teils), Nordafrika und Nordamerika verbreitet. In Europa kommt sie in zwei Unterarten (Subspecies – ssp.) vor, Solidago virgaurea ssp. virgaurea und ssp. minuta. Letztere ist in den hohen Lagen der europäischen Gebirge, nicht unter 1500 m, verbreitet. Arzneilich wird die ssp. virgaurea genutzt, die in lichten gras- und krautreichen Laub- und Mischwäldern, Heiden und Magerweiden wächst und auch in höhere Berglagen vordringen kann. Die beiden anderen Goldrutenarten, in Nordamerika heimisch, sind in Europa eingebürgert, wobei die Kanadische Goldrute inzwischen in Mitteleuropa an Ufergebüschen, an Wegrändern und auf Brachland weit verbreitet ist.

Der Gattungsname Solidago, abgeleitet von lat. ‚solidus’ (= fest, hart) mit dem bei Pflanzen häufigen Suffix ‚ago’, macht deutlich, dass die Pflanze gegen Knochenbrüche helfen soll. Das Artepitheton virgaurea setzt sich aus lat. ‚virga’ (= Reis, Rute) und lat. ‚aurea’ (= golden) zusammen, womit die leuchtend gelbe Farbe der Blüten angesprochen wird. Diese Eigenschaft kommt auch im deutschen Namen „Goldrute“ zum Ausdruck, der allerdings für die ganze Gattung verwendet wird, hier dann verstärkt durch die Zusatzbezeichnung „Echte Goldrute“.

Die ausdauernde Echte Goldrute (Photo) wird bis zu 1 m hoch. Sie zeichnet sich durch die leuchtend gelben Blütenköpfchen aus, die in einfachen oder zusammengesetzten Trauben zusammenstehen. Die 6 bis 12 Zungenblüten stehen locker um die ebenfalls gelben Scheibenblüten. Blütezeit ist Juli bis September. Die unteren Laubblätter sind eiförmig oder elliptisch, die mittleren länglich-elliptisch, die obersten mehr oder weniger sitzend und schmal lanzettlich. Es handelt sich in Bezug auf die Blattform, die Behaarung und in Bezug auf die Anordnung der Blüten um eine sehr polymorphe (vielgestaltige) Art, von einer Unterteilung in Varietäten und Formen hat man aber abgesehen.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile (Droge)

Verwendet werden die getrockneten oberirdischen, blühenden Teile, bestehend aus den Stängeln, Blättern und Blüten. Die Echte Goldrute liefert das „Echte Goldrutenkraut“ (Solidaginis virgaureae herba), die Riesengoldrute und die Kanadische Goldrute das „Goldrutenkraut“ (Solidaginis herba); die Handelsdrogen stammen aus Kulturen in Deutschland, Polen und den Balkanländern.

Inhaltsstoffe der Droge

Echtes Goldrutenkraut enthält Flavonoide, Triterpensaponine (Virgaurea-Saponine) und Phenolglykoside. Goldrutenkraut ist mit Flavonoiden und Triterpensaponinen chemisch sehr ähnlich, Phenolglykoside fehlen.

Qualitätsbeschreibungen

Die Qualität folgender Drogen bzw. Drogenzubereitungen ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt:

  • Echtes Goldrutenkraut (Solidaginis virgaureae herba)
  • Goldrutenkraut (Solidaginis herba)

Medizinische Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

Das HMPC hat Echtes Goldrutenkraut als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (siehe „Traditionelle Anwendung“).
ESCOP, Kommission E: zur Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege, Harnsteinen und Nierengrieß; zur vorbeugenden Behandlung bei Harnsteinen und Nierengrieß. Die Monographie der Kommission E gilt sowohl für Echtes Gold­rutenkraut als auch für Goldrutenkraut.

Traditionelle Anwendung

Echtes Goldrutenkraut wurde vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel (§ 39a AMG) eingestuft. Basierend auf langjähriger Erfahrung kann Echtes Goldrutenkraut zur Erhöhung der Urinmenge und damit unterstützend bei Beschwerden der ableitenden Harnwege eingesetzt werden.
Traditionell angewendet zur Unterstützung der Ausscheidungsfunktion der Nieren (traditionelle Anwendung nach § 109a).

Arzneiliche Drogenzubereitungen in Fertigarzneimitteln

  • geschnittenes (Echtes) Goldrutenkraut als Tee
  • Trockenextrakte in Tabletten, Kapseln und Instant-Tees
  • alkoholische Auszüge in Tropfen und Saft
  • Fluidextrakt in Tropfen
  • wässrige Auszüge in Lösungen
  • homöopathische Urtinktur in Tropfen

Dosierung

Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Teeaufguss: 2 bis 4 mal täglich eine Tasse (Echtes) Goldrutenkrauttee zwischen den Mahlzeiten trinken; mittlere Tagesdosis 10 bis 20 g Droge. Sinnvoll ist eine Kombination mit anderen Drogen wie Hauhechelwurzel, Orthosiphonblätter, Birkenblätter oder Brenn­nesselblätter (Blasen- und Nierentee, Harntee).

Bereitung eines Teeaufgusses

3 bis 5 g (1 bis 2 Teelöffel) fein geschnittenes Echtes Goldrutenkraut mit ca. 150 mL siedendem Wasser übergießen und nach 10 bis 15 Min. abseihen.

Hinweise

Bei einer Durchspülungstherapie muss reichlich Flüssigkeit getrunken werden.
Beim Vorliegen von Ödemen infolge eingeschränkter Herz- und Nierentätigkeit soll eine Durchspülungstherapie mit (Echtem) Goldrutenkraut nicht durchgeführt werden. Von einer Kombination mit synthetischen entwässernden Arzneimitteln (Diuretika) wird abgeraten.
Für die Anwendung von Goldrutenkraut während der Schwangerschaft und Stillzeit liegen noch keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor. Für eine Anwendung bei Kindern unter 12 Jahren reichen die Erkenntnisse noch nicht aus.

Nebenwirkungen

Allenfalls leichte Magenbeschwerden

Wechselwirkungen

Keine bekannt

Literaturhinweise

Drogenmonographien

HMPC, ESCOP, Kommission E

Weiterführende Literatur

Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Echtes Goldrutenkraut, Nr. 1893; Goldrutenkraut, Nr. 1892)

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