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Faulbaum

Faulbaum
© Sertürner Bildarchiv

Botanische Bezeichnung

Gewöhnlicher Faulbaum
Frangula alnus Mill. (Syn. Rhamnus frangula L.)
Amerikanischer Faulbaum
Frangula purshiana (DC.) A. Gray
(Syn. Rhamnus purshiana DC.)

Familie

Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae)

Wissenswertes zur Pflanze

Der Gewöhnliche Faulbaum ist in ganz Europa, in Westasien, Kleinasien und Kaukasien heimisch, in Nordamerika verwildert. Er wächst als kräftiger Strauch oder kleiner Baum (1 bis 3 m hoch, mitunter höher) von der Ebene bis in die untere Bergstufe, in lichten Laub- und Nadelwäldern, vorzugsweise an Waldrändern, außerdem in Gebüschen und Hecken, an Wasserläufen, in Buschweiden und auf Mooren. Der Amerikanische Faulbaum ist mit 6 bis 10 m Höhe ein kräftiger Baum, der an der Pazifikküste Nordamerikas, von Südkanada bis Zentralkalifornien, beheimatet ist und dort auch kultiviert wird. Der Gattungsname Frangula leitet sich von lat. ‚frangere’ (= brechen) ab und bezieht sich auf das brüchige, spröde Holz des Strauches bzw. Baumes. Das Artepitheton alnus (= Erle) macht die Ähnlichkeit der Blätter zu denen der Erle deutlich. Die deutsche Bezeichnung Faulbaum wurde wegen des fauligen Geruchs der frischen Rinde geprägt.

Der Gewöhnliche Faulbaum wird durch waagerecht abstehende Äste charakterisiert. Seine Rinde ist in der Jugend grün, wird später graubraun und ist durch deutliche, quer gestellte, grauweiße Lentizellen sehr charakteristisch gezeichnet. Auch die Rinde des Ameri­kanischen Faulbaums ist mit solchen deutlichen Lentizellen versehen. Die Laubblätter beider Arten sind sich ähnlich, sie sind steif, elliptisch bis umgekehrt eiförmig und ganzrandig. Die Blüten des Gewöhnlichen Faulbaums sind unscheinbar, grünlich weiß, die des Ameri­kanischen Faulbaums weiß. Sie stehen jeweils in 2- bis 10-blütigen, blatt­achselständigen Trugdolden. Nach der Befruchtung reifen sie zu beerenförmigen Steinfrüchten heran, die sich farblich während der Reifung von grün nach rot verändern und schließlich schwarz werden. Blütezeit ist Mai/Juni.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile (Droge)

Verwendet wird die getrocknete ganze oder zerkleinerte Rinde der Stämme und Zweige beider Frangula-Arten. Die Rinde des Gewöhnlichen Faulbaums F. alnus (Faulbaumrinde - Frangulae cortex) stammt aus Wildvorkommen bzw. aus Anbau in Auwäldern in Ost­europa, vorwiegend in Polen. Nach der Ernte im Frühsommer muss die frische Rinde ein Jahr gelagert oder in einem Heißluftstrom bei 80 – 100°C getrocknet werden (siehe Inhaltsstoffe). Die Rinde des Amerikanischen Faulbaums F. purshiana (Cascararinde - Rhamni purshianae cortex) stammt aus Kulturen der US-Staaten Washington und Oregon sowie aus Westkanada.

Inhaltsstoffe der Droge

Faulbaumrinde (vom Gewöhnlichen Faulbaum) enthält Anthranoide (Hydroxyanthracen-Derivate, „Anthrachinone“), hauptsächlich Glucofrangulin und Frangulin. Sie bilden sich während der Lagerung bzw. beim Trocknen im Heißluftstrom durch Oxidation aus den entsprechenden Anthronglykosiden.
Cascararinde (vom Amerikanischen Faulbaum) enthält ebenfalls Anthranoide, hauptsächlich Cascaroside, daneben Aloine.

Qualitätsbeschreibungen

Die Qualität folgender Drogen bzw. Drogenzubereitungen ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt:

  • Faulbaumrinde (Frangulae cortex)
  • Eingestellter (standardisierter) Faulbaumrindentrockenextrakt (Frangulae corticis extractum siccum normatum)
  • Cascararinde (Rhamni purshianae cortex)
  • Eingestellter (standardisierter) Cascaratrockenextrakt (Rhamni purshianae extractum siccum normatum)

Medizinische Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

Das HMPC hat die innerliche Anwendung von Faulbaumrinde und von Cascararinde zur kurzfristigen Behandlung gelegentlich auftretender Obstipation (Verstopfung) als „medi­zinisch anerkannt“ („well-established use“) akzeptiert.
ESCOP: für eine kurzfristige Behandlung bei gelegentlich auftretender Verstopfung
Kommission E: bei Verstopfung

Traditionelle Anwendung

Entfällt

Arzneiliche Drogenzubereitungen in Fertigarzneimitteln

  • geschnittene oder grob pulverisierte Faulbaumrinde bzw. Cascararinde als Tee
  • auf Anthranoide (Glucofrangulin A) standardisierter Faulbaumrindentrockenextrakt in festen Arzneiformen
  • auf Anthranoide (Cascaroside) standardisierter Cascaratrockenextrakt in festen Arzneiformen

Dosierung

Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Teeaufguss: 20 bis 30 mg Anthranoide pro Tag sind für die abführende Wirkung aus­reichend. Dies wird durch einen Teeaufguss aus 0,5 g Faulbaumrinde bzw. Cascara­rinde erreicht. Der Tee ist abends vor dem Schlafengehen zu trinken. Sinnvoll ist eine Kombination mit anderen Drogen wie Sennesblätter (wirkt auch abführend) oder Kümmel (gegen Blähungen).

Bereitung eines Teeaufgusses

2 g fein geschnittene Faulbaumrinde bzw. Cascararinde mit ca. 150 mL siedendem Wasser übergießen und nach 10 bis 15 Min. abseihen.

Hinweise

Faulbaumrinde bzw. Cascararinde darf nicht länger als 1 bis 2 Wochen eingenommen werden (Darmhaut-reizendes Abführmittel), eine Daueranwendung verstärkt die Darm­trägheit. Faulbaumrinde bzw. Cascararinde soll nicht eingenommen werden bei Darm­verschluss, Blinddarmentzündung, entzündlichen Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), abdominalen Schmerzen unbekannter Ursache und schweren Dehydratationserscheinungen. Eine leichte Verfärbung des Urins während der Einnahme von Faulbaumrinde bzw. Cascararinde kann vorkommen.
Obwohl bisher keine Berichte über unerwünschte oder schädigende Wirkung durch Faulbaumrinde bzw. Cascararinde bei Schwangeren und auf den Fötus vorliegen, ist wegen der möglichen genotoxischen Eigenschaft verschiedener Anthranoide von einer Einnahme von Faulbaumrinde bzw. Cascararinde während der Schwangerschaft abzuraten. Auch ist der Übergang der Anthranoide in die Muttermilch nicht auszu­schließen, sodass auch eine Einnahme von Faulbaumrinde bzw. Cascararinde während der Stillzeit nicht empfohlen ist. Ebenso sollen Kinder unter 12 Jahren Faulbaumrinde bzw. Cascararinde nicht einnehmen.

Nebenwirkungen

Selten krampfartige Magen-Darm-Beschwerden (Dosisreduktion!). Bei längerer Einnahme von Faulbaumrinde bzw. Cascararinde (Abführmittelmissbrauch) kann es zu Problemen mit dem Wasser- und Elektrolythaushalt kommen, insbesondere zu Kaliumverlusten. Auch können dann Eiweiß und Blut im Urin auftreten (Albuminurie, Hämaturie). Bei chronischem Gebrauch kommt es zu (reversiblen) Pigmenteinlagerungen in die Darmschleimhaut.

Wechselwirkungen

Bei chronischem Gebrauch von Faulbaumrinde bzw. Cascararinde (Abführ­mittel­missbrauch) kann es durch den Kaliummangel zur Verstärkung der Wirkung von Digitalis­präparaten (Präparate mit Herzglykosiden) kommen, auch kann die Wirkung von Antiarrhythmika beeinflusst werden. Durch gleichzeitige Einnahme von Thiazid­diuretika, Nebenrindensteroiden und Süßholzwurzel kann der Kaliumverlust noch verstärkt werden.

Literaturhinweise

Drogenmonographien

HMPC, ESCOP, Kommission E, WHO Vol. 2

Weiterführende Literatur

Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Faulbaumrinde, Nr. 25;
Faulbaumrindentrockenextrakt, Nr. 1214; Cascararinde, Nr. 105; Cascaratrockenextrakt, Nr. 1844)

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