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Meerrettich

Meerrettich
© Sertürner Bildarchiv

Botanische Bezeichnung

Meerrettich – Armoracia rusticana G. Gaertn. et al.

Familie

Kreuzblütler (Brassicaceae)

Wissenswertes zur Pflanze

Der Meerrettich ist im Wolga-Don-Gebiet heimisch, gelangte im frühen Mittelalter nach Mitteleuropa und ist heute in fast ganz Europa und den anderen Kontinenten eingebürgert. Er wird als Gewürzpflanze kultiviert. Wild wächst er an Ruderalstandorten, also an vom Menschen beeinflussten Standorten wie Weg- und Straßenrändern sowie Böschungen, Gräben, Zäunen und Äckern.

Der Gattungsname Armoracia leitet sich von lat. ‚armoracius‘ (= am Meer wachsend; ursprünglich keltisch, dann latinisiert) ab. Das Artepitheton rusticanus (lat. ‚rusticanus‘ = ländlich, bäuerlich) bezieht sich auf den in früheren Zeiten als bäurisch geltenden Geschmack dieser in Osteuropa heimischen Gewürzpflanze. Im deutschen Namen „Meerrettich“ weist ‚Meer‘ auf die fremde Herkunft hin („über das Meer zu uns gekommen“), „Rettich” ist aus dem lat. ‚radix‘ (= Wurzel) eingedeutscht, denn genutzt wurde immer schon die rübenförmige Wurzel.

Der Meerrettich wird bis 1,25 m hoch, ist eine ausdauernde, kräftige Pflanze mit kantig gefurchtem, hohlem Stängel, im oberen Teil ästig. Seine Wurzel ist dick und holzig, bei kultivierten Pflanzen dick und fleischig mit beißendem Geruch und Geschmack. Die grundständigen Laubblätter sind lang gestielt, bis 100 cm lang, kräftig gekerbt, die unteren Stängelblätter lappig oder kammförmig-fiederspaltig, die oberen Stängelblätter sitzend, länglich oder lanzettlich. Die kleinen weißen Blüten stehen in einem aus zahlreichen Trauben bestehenden Blütenstand. Die Früchte, definitionsgemäß Schötchen, sind kugelig bis eiförmig und stehen am Ende von 10 bis 20 mm langen, dünnen, aufrecht abstehenden Stielen. Blütezeit ist Mai bis Juli.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile (Droge)

Verwendet wird die frische oder getrocknete Wurzel (Meerrettichwurzel – Armoraciae radix). Meerrettichwurzel wird in mitteleuropäischen Ländern angebaut und kommt dort in frischer Form oder getrocknet auf den Markt.

Inhaltsstoffe der Droge

Meerrettichwurzel enthält Senfölglykoside (= Glucosinolate); diese kommen beim Zerschneiden und Trocknen der Pflanze mit einem in besonderen Zellen gelagerten Enzym, der Myrosinase, in Kontakt. Die Senfölglykoside werden dadurch hydrolysiert (Abspaltung des Zuckerrests), worauf eine Umlagerung zu den flüchtigen, schleimhautreizenden, scharf schmeckenden Senfölen erfolgt. In der Meerrettichwurzel dominiert Gluconasturtiin und Sinigrin, die sich nach der Hydrolyse zu 2-Phenylethylisothiocyanat (Phenylethylsenföl) und Allylisothiocyanat (Allylsenföl) umlagern. Außerdem enthält Meerrettichwurzel Phenol­carbonsäuren, Cumarine und Vitamin C.

Qualitätsbeschreibungen

Für Meerrettichwurzel (Armoraciae radix) steht keine Arzneibuch-Qualitätsbeschreibung zur Verfügung.

Medizinische Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

In Kombination mit Kapuzinerkressenkraut durch klinische Studien belegte Anwendungs­gebiete (Zulassung Angocin®): zur Besserung der Beschwerden bei akuten ent­zündlichen Erkrankungen der Bronchien, Nebenhöhlen und ableitenden Harnwege.
Kommission E: innerlich und äußerlich bei Katarrhen der Luftwege, innerlich unterstützend bei Infektionen der ableitenden Harnwege; äußerlich zur hyperämisierenden Behandlung bei leichten Muskelschmerzen.

Traditionelle Anwendung

Meerrettichwurzel erhielt bisher keine Einstufung als traditionelles Arzneimittel im Sinne des § 39a AMG.

Arzneiliche Drogenzubereitungen in Fertigarzneimitteln

Dosierung

Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Teeaufguss: Meerrettichwurzel sollte nicht als Teeaufguss eingenommen werden. Als Tagesdosis werden 20 g der frischen Wurzel empfohlen, Meerrettichpulver ca. 1 g pro Tag. Zubereitungen müssen in ihrer Dosierung entsprechend angepasst werden.
Frischpflanzenpresssaft: 2-mal täglich 1 Esslöffel. Für die äußere Anwendung sind Salben und Gele mit maximal 2 % Senfölen angezeigt.

Bereitung eines Teeaufgusses

entfällt

Hinweise

Bei Vorliegen von Magen- oder Darmgeschwüren und Nierenentzündung darf Meer­rettichwurzel nicht eingenommen werden. Bei Kindern unter 4 Jahren darf Meerrettich­wurzel nicht angewendet werden.

Nebenwirkungen

Magen-Darm-Beschwerden sowie allergische Reaktionen und Schleimhautreizungen können auftreten.

Wechselwirkungen

Keine bekannt

Literaturhinweise

Drogenmonographien

Kommission E

Weiterführende Literatur

Schilcher: Leitfaden Phytotherapie
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen

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