Kooperation Phytopharmaka

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Johannisbeere

Johannisbeere
Foto © P. Schönfelder

Botanische Bezeichnung

Schwarze Johannisbeere – Ribes nigrum L.

Familie

Stachelbeergewächse (Grossulariaceae)

Wissenswertes zur Pflanze

In europäisch-asiatischen Waldgebieten heimisch kommt die Schwarze Johannisbeere zuweilen in feuchten Gebüschen oder humosen Laub- und Auenwäldern noch wild vor, ist bei uns aber vorwiegend als Kulturpflanze mit einer Vielfalt an Sorten und Gartenformen vertreten. Sie wird wegen ihrer schwarzen Beeren - ähnlich wie die Rote Johannisbeere mit ihren roten Beeren (Ribes rubrum L.) - sehr geschätzt. Die Beeren beider Büsche werden zu Gelee, Marmeladen, Fruchtsäften, Grützen und ähnlichen Fruchtzubereitungen verarbeitet. Der Gattungsnamen Ribes ist ursprünglich persisch, wurde ins Arabische übernommen und ist das Artepitheton des dort heimischen Rhabarbers (Rheuma ribes). Linné übertrug diesen Namen auf die ähnlich wie Rhabarber schmeckende, säuerliche Beeren tragenden Büsche. Das Artepitheton nigrum ist lateinisch und bedeutet „schwarz“ (Schwarze Johannis­beere) und rubrum (= rot) für die Rote Johannisbeere. Der Name „Johannisbeere“ verdeutlicht, dass die Beeren etwa am Johannistag (21. Juni) reif sind.

Arzneilich werden die Blätter verwendet, die an dem bis zu 2 m hohen Strauch wachsen. Sie sind 3- bis 5-lappig, am Grunde herzförmig. Der Blattrand ist doppelt gesägt. Die unscheinbaren, grünlichweißen kleinen Blüten stehen in vielblütigen, langen, hängenden Trauben zusammen. Sind die erbsengroßen Beeren reif, werden sie als Trauben gepflückt und erst dann von der Blütenachse und ihren kleinen Stielchen abgetrennt. So erklärt sich der in Süddeutschland für die Beeren gebräuchliche Namen „schwarze“ bzw. „rote Träuble“. Da es sich um unterständige Fruchtknoten handelte, hängen an den Beeren noch Reste der Kelchblätter. Blütezeit ist April/Mai.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile (Droge)

Verwendet werden die während oder kurz nach der Blüte gesammelten, getrockneten Laubblätter (Schwarze Johannisbeerblätter - Ribis nigri folium). Die Droge des Handels stammt aus Polen, Ungarn und Rumänien.

Inhaltsstoffe der Droge

Schwarze Johannisbeerblätter enthalten Gerbstoffe (vorwiegend Catechingerbstoffe), Flavonoide und Phenolcarbonsäuren.

Qualitätsbeschreibungen

Die Qualität der Schwarzen Johannisbeerblätter (Ribis nigri folium) ist im Deutschen Arzneimittel-Codex (DAC) festgelegt.

Medizinische Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

Das HMPC hat Schwarze Johannisbeerblätter als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein­gestuft (siehe „Traditionelle Anwendung“).
ESCOP: unterstützend bei rheumatischen Erkrankungen
Kommission E: Schwarze Johannisbeerblätter wurden von der Kommission E nicht be­arbeitet, da sie in Deutschland zu der damaligen Zeit keine Bedeutung hatten.

Traditionelle Anwendung

Schwarze Johannisbeerblätter wurden vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arznei­mittel (§ 39a AMG) eingestuft. Basierend auf langjähriger Erfahrung können Schwarze Johannisbeerblätter bei leichten Gliederschmerzen eingesetzt werden; außerdem zur Erhöhung der Harnmenge und damit zur Durchspülung der Harnwege unterstützend bei leichten Harnwegsbeschwerden.

Arzneiliche Drogenzubereitungen in Fertigarzneimitteln

  • geschnittene Schwarze Johannisbeerblätter zur Teebereitung
  • Trockenextrakte in festen Arzneizubereitungen

Dosierung

Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Teeaufguss: mehrmals täglich eine Tasse Schwarzer Johannisbeerblättertee trinken. Tages­dosis 6 bis 12 g Droge. Bei Harnwegsbeschwerden ist eine Kombination mit anderen Drogen wie Orthosiphonblätter, Hauhechelwurzel, Goldrutenkraut, Birkenblätter oder Brennnesselblätter sinnvoll (Blasen- und Nierentee, Harntee).

Bereitung eines Teeaufgusses

2 bis 4 g fein geschnittene Schwarze Johannisbeerblätter mit ca. 150 mL siedendem Wasser übergießen und nach 10 Min. abseihen; kalt ansetzen und kurz aufkochen ist auch möglich.

Hinweise

Bei einer Durchspülungstherapie muss reichlich Flüssigkeit getrunken werden! Sollte eine vermehrte Flüssigkeitsaufnahme wegen eingeschränkter Herz- und Nierentätigkeit nicht erfolgen, darf eine Durchspülungstherapie nicht durchgeführt werden. Sollten sich die Symptome verschlechtern und Fieber, Harnverhalten, Krämpfe beim Wasserlassen oder Blut im Urin auftreten, ist ärztlicher Rat einzuholen.
Zur Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen liegen noch keine Erfahrungen vor.

Nebenwirkungen

Keine bekannt

Wechselwirkungen

Keine bekannt

Literaturhinweise

Drogenmonographien

HMPC, ESCOP

Weiterführende Literatur

Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen