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Wegrauke

Wegrauke
Foto © P. Schönfelder

Botanische Bezeichnung

Wegrauke – Sisymbrium officinale (L.) Scop.

Familie

Kreuzblütler (Brassicaceae)

Wissenswertes zur Pflanze

Die Wegrauke ist ein Kosmopolit und besiedelt als solcher ganz Eurasien bis Ostsibirien, das gesamte Mittelmeergebiet, Nord- und Südamerika, Australien und Ost- und Südafrika. Sie wächst auf nährstoffreichen Böden, auf Äckern als Unkraut und in Ruderalfluren menschlicher Siedlungen, auf Schuttplätzen, an Ufern und Dämmen.

Der Gattungsname Sisymbrium ist vom Lateinischen (lat. ‚sisymbrium‘) und Griechischen (gr. ‚sisymbrion‘) übernommen, der Name einer „wohlriechenden Pflanze“, womit wahrscheinlich ursprünglich die Brunnenkresse (Nasturtium officinale, ebenfalls Brassica­ceae) gemeint war. Auch der deutsche Namen „Rauke“, von lat. ‚eruca‘ (= Senfkohl), ital. dann ‚ruca‘, ist ein Gemeinschaftsnamen für verschiedene Kreuzblütler (Brassicaceae). Das Artepitheton officinale lässt darauf schließen, dass es sich um eine alte Arzneipflanze handelt, denn die „Offizin“ ist der Verkaufsraum einer Apotheke und ‚officinalis’ bedeutet: in den Apotheken gebraucht. In der Tat hieß die Wegrauke in Frankreich früher „herbe de chantre“, übersetzt „Sängerkraut“, weil die Sänger vor dem Auftritt gern eine Tasse Raukentee tranken, der gegen Heiserkeit half. Mit dem als Synonym geltenden Namen Erysimum officinale L. kommt die Heilkraft der Pflanze deutlicher zum Ausdruck, denn gr. ‚erysimon‘ bedeutet „Heilpflanze“.

Die Wegrauke wird 20 bis 70 cm hoch mit aufrechtem Stängel und abstehend verzweigt. Die unteren Blätter sind fiederteilig mit 2 bis 5 Paar seitlichen Abschnitten und einem größeren, lappig gezähnten, dreieckigen Endabschnitt. Die oberen Blätter haben nur 1 bis 2 Paar seitliche Abschnitte und einen schmaleren Endabschnitt. Die Blüten sind klein mit 4 gelben Kronblättern. Die Schoten sind 1 bis 1,5 cm lang, schmal und behaart, dem Stängel anliegend. Blütezeit Mai bis Oktober.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile (Droge)

Verwendet wird das zur Blütezeit gesammelte, getrocknete Kraut, bestehend aus Blättern, Stängeln und Blüten (Raukenkraut – Sisymbrii herba, Erysimi herba). Die Droge des Handels stammt aus Wildsammlungen in osteuropäischen Ländern.

Inhaltsstoffe der Droge

Raukenkraut enthält Senfölglykoside (= Glucosinolate); diese kommen beim Zerschneiden und Trocknen der Pflanze mit einem in besonderen Zellen gelagerten Enzym, der Myrosinase, in Kontakt. Die Senfölglykoside werden dadurch hydrolysiert (Abspaltung des Zuckerrests), worauf eine Umlagerung zu den flüchtigen, schleimhautreizenden, scharf schmeckenden Senfölen erfolgt (Beispiel: Senf, Meerrettich u.a.). Im Raukenkraut dominieren Sinigrin und Gluconapin, die sich nach der Hydrolyse zu Allylisothiocyanat (Allylsenföl) und 3-Butenylisothiocyanat umlagern; außerdem enthält Raukenkraut herz­wirksame Cardenolide (Steroide).

Qualitätsbeschreibungen

Für Raukenkraut (Sisymbrii herba, Erysimi herba) steht keine Arzneibuch-Qualitäts­beschreibung zur Verfügung.

Medizinische Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

Das HMPC hat Raukenkraut als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (siehe „Traditionelle Anwendung“).

Traditionelle Anwendung

Das HMPC hat Raukenkraut als traditionelles pflanzliches Arzneimittel (§ 39a AMG) eingestuft. Basierend auf langjähriger Erfahrung kann Raukenkraut bei Reizungen im Rachen wie Heiserkeit und trockener Husten eingesetzt werden (innerlich oder in Form von Gurgellösung).

Arzneiliche Drogenzubereitungen in Fertigarzneimitteln

Trockenextrakte (Auszugsmittel Wasser) in festen oder flüssigen Zubereitungen

Dosierung

Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Erwachsene: 3- bis 4-mal tägliche Einnahme von 82,5 g eines Trockenextrakts (DEV 6 – 8:1; Auszugsmittel Wasser); Kinder (3-11 Jahre): 3- bis 4-mal tägliche Einnahme von 27,5 g eines Trockenextrakts (DEV 6-8:1; Auszugsmittel Wasser).
Zum Gurgeln werden 10 mg des Trockenextrakts (DEV 3,5-5,5:1) oder 7,5 bis 10 mg des Trockenextrakts (DEV 6-8:1) in Wasser gelöst und damit 10- bis 12-mal pro Tag gegurgelt.

Bereitung eines Teeaufgusses

entfällt

Hinweise

Für eine Anwendung von Raukenkraut während der Schwangerschaft und Stillzeit liegen bisher noch keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor. Wegen fehlender Erkenntnisse wird eine Anwendung bei Kindern unter 6 Jahren nicht befürwortet.

Nebenwirkungen

Keine bekannt

Wechselwirkungen

Keine bekannt

Literaturhinweise

Drogenmonographien

HMPC

Adonisröschen    Afrikanischer Pflaumenbaum    Aloe    Andorn    Angelica    Anis    Arnika    Artischocke    Augentrost    Australischer Teebaum    Bärentraube    Baldrian    Beinwell    Belladonna    Bilsenkraut    Birke    Bitterklee    Bittersüßer Nachtschatten    Blutweiderich    Blutwurz    Bockshornklee    Boldostrauch    Brechwurz    Brennnessel    Brombeere    Buchweizen    Cayennepfeffer    Cranberry    Digitalis    Echinacea    Efeu    Eibisch    Eiche    Eisenkraut    Eleutherococcus    Engelsüß    Engelwurz    Enzian    Erdbeere    Erdrauch    Esche    Eukalyptus    Faulbaum    Fenchel    Fichte    Fingerhut    Flohkraut / Flohsamen-Wegerich    Frauenmantel    Gänsefingerkraut    Gartenbohne    Gelbwurz    Gewürznelken    Ginkgo    Ginseng    Gliedkraut    Goldrute    Grindelia    Habichtskraut    Hafer    Hagebutte    Hamamelis    Hauhechel    Heidelbeere    Herzgespann    Himbeere    Hirtentäschel    Holunder    Hopfen    Indischer Wegerich / Indisches Flohsamen-Kraut    Indischer Weihrauch    Ingwer    Ipecacuanha    Iris    Isländisches Moos    Johannisbeere    Johanniskraut    Kamille    Kamille, römische    Kapland-Pelargonie    Kapuzinerkresse    Katzenbart    Katzenpfötchen    Kiefer    Klette    Knoblauch    Königskerze    Kümmel    Kürbis    Kurkuma    Latsche    Lavendel    Lein    Liebstöckel    Linde    Löwenzahn    Lungenkraut    Mädesüß    Mäusedorn    Maiglöckchen    Majoran    Malve    Mariendistel    Mastix    Mate-Teestrauch    Meerrettich    Meerzwiebel    Melisse    Minze    Mistel    Mönchspfeffer    Moosbeere    Mutterkraut    Myrrhe    Nachtkerze    Odermennig    Ölbaum    Orthosiphon    Passionsblume    Pelargonie    Perubalsam    Pfefferminze    Pflaumenbaum, afrikanischer    Primel    Quecke    Quendel    Rhabarber    Ringelblume    Rizinus    Römische Kamille    Rose    Rosenwurz    Rosmarin    Rosskastanie    Ruhrkraut    Sägepalme    Salbei    Schachtelhalm    Schafgarbe    Schlafmohn    Schlehdorn    Schleifenblume    Schlüsselblume    Schöllkraut    Schwertlilie    Senna / Sennespflanze    Sibirischer Ginseng    Sideritis    Sonnenhut    Sonnentau    Spitzwegerich    Stechapfel    Steinklee    Stiefmütterchen    Strohblume    Süßholz    Taigawurzel    Taubnessel    Tausendgüldenkraut    Teebaum    Teufelskralle    Thymian    Tollkirsche    Tolubalsam    Traubensilberkerze    Tüpfelfarn    Vogelknöterich    Wacholder    Walnuss    Wegrauke    Wegwarte    Weide    Weidenröschen    Weihrauch    Weinrebe    Weißdorn    Wermut    Wunderbaum    Zauberstrauch    Zimt    Zistrose    Zwiebel