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Odermennig

Odermennig
© Sertürner Bildarchiv

Botanische Bezeichnung

Kleiner Odermennig
Agrimonia eupatoria L.

Familie

Rosengewächse (Rosaceae)

Wissenswertes zur Pflanze

Der Kleine Odermennig ist im mittleren und atlantischen Europa verbreitet; er reicht von den Azoren und Nordafrika durch ganz Europa bis Westasien, nördlich bis Südskandinavien. Er wächst an sonnigen, trockenen Standorten, an Wegböschungen und im Saum von Gebüschen. Die Etymologie des lateinischen Gattungsnamen ist offen, beim Artepitheton eupatorium wird angenommen, dass damit die arzneilichen Verwendung des Odermennigs gegen Leberleiden gemeint ist und eine Umbildung von griech. ,häpar' (= Leber) vorliegt, wobei griech ,eu' (= gut) bedeutet. Auch der Wasserdost, Eupatorium cannabinum L., wurde früher gegen Leberleiden verwendet.

Der Kleine Odermennig ist ausdauernd, 30 bis 100 m hoch mit einem langen, abstehend behaarten Stängel. Die Blätter sind unpaarig gefiedert, mit großen Nebenblättern und gesägtem Blattrand. Die Blattunterseite ist dicht graufilzig, die Oberseite dunkelgrün und seidig behaart. Die zahlreichen goldgelben 5 bis 8 mm breiten Blüten stehen in langen Ähren am Stängelende. Die Blüten einer Ähre blühen von unten nach oben auf, sodass sich im unteren Ährenbereich schon Früchte bilden, während die Blüten im oberen Ährenbereich noch leuchtend gelb blühen. Die Früchte sind unterwärts kegelförmig und gefurcht und vorne mit vielen Haken versehen. Damit ,krallen' sich die reifen Früchte an Fellen und Kleidung fest und werden so mitgetragen und damit verbreitet. Blütezeit ist Juni bis August.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile (Droge)

Verwendet werden die zur Blütezeit gesammelten, getrockneten Sprossspitzen bestehend aus Stängeln, Blättern, Blüten und Früchten (Agrimoniae herba - Odermennigkraut). Die Droge des Handels stammt aus Bulgarien, Umgarn und Kroatien.

Inhaltsstoffe der Droge

Odermennigkraut enthält Gerbstoffe (vorwiegend Catechingerbstoffe) und Flavonoide.

Qualitätsbeschreibungen

Die Qualität des Odermennigkrauts (Agrimoniae herba) ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt.

Medizinische Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

HMPC: Monographie in Vorbereitung, eine Einstufung als Traditionelles Arzneimittel ist zu erwarten.
ESCOP: innerlich gegen leichte Durchfälle; äußerlich zum Gurgeln bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut, außerdem als Kompresse zur Unterstützung der Wund­heilung.
Kommission E: innerlich bei leichten, unspezifischen Durchfallerkrankungen; äußerlich gegen Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut sowie bei leichten, ober­flächlichen Entzündungen der Haut.

Traditionelle Anwendung

Odermennigkraut wurde vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel (§ 39a AMG) eingestuft. Basierend auf langjähriger Erfahrung kann Odermennigkraut innerlich zur symptomatischen Behandlung leichter Durchfälle, äußerlich als Mundspülung oder Gurgellösung bei leichten Entzündungen im Mund- und Rachenraum sowie zur Behandlung leichter Hautentzündungen und kleiner, oberflächlicher Wunden eingesetzt werden.

Arzneiliche Drogenzubereitungen in Fertigarzneimitteln

  • geschnittenes Odermennigkraut zur Teebereitung
  • Flüssigextrakt in flüssigen Zubereitungen
  • Tinktur in Tropfen

Dosierung

Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Teeaufguss: 2 bis 4 mal täglich eine Tasse Odermennigkrauttee trinken. Tagesdosis 3 bis 6 g Droge.
Äußerliche Anwendung: 3 mal täglich eine wässrige Abkochung von Odermennigkraut in Form eines Umschlags auf die betroffenen Hautstellen geben; die wässrige Abkochung kann auch zum Gurgeln sowie als Badezusatz verwendet werden.

Bereitung eines Teeaufgusses

1,5 bis 4 g fein geschnittenes Odermennigkraut mit ca. 150 mL siedendem Wasser über­gießen und nach 10 Min. abseihen.

Hinweise

Bei länger als 3 bis 4 Tage anhaltendem Durchfall ist ein Arztbesuch angeraten.
Zur Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit liegen noch keine Unter­suchungen zur Unbedenklichkeit vor. Für eine Anwendung bei Kindern unter 12 Jahren reichen die Erkenntnisse noch nicht aus.

Nebenwirkungen

Keine bekannt

Wechselwirkungen

Keine bekannt

Literaturhinweise

Drogenmonographien

HMPC, ESCOP, Kommission E

Weiterführende Literatur

Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Odermennigkraut, Nr. 1587)

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