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Eiche

Eiche
© Sertürner Bildarchiv

Botanische Bezeichnung

Stiel- oder Sommereiche – Quercus robur L.
Stein-, Trauben- oder Wintereiche – Quercus petraea (Matt.) Liebl.
Flaumeiche – Quercus pubescens Willd.

Familie

Buchengewächse (Fagaceae)

Wissenswertes zur Pflanze

Das Vorkommen der Eiche ist schon in der Kreidezeit nachgewiesen. Sie zeichnet sich durch Langlebigkeit bis 2000 Jahre aus, wobei sie dann eine Höhe von 45 m und einen Stammdurchmesser von mehreren Metern erreichen kann. Mit ihrer sehr individuellen, ja eigenwilligen Gestalt beeindruckte sie die Menschen zu allen Zeiten und wurde in alten Kulturen den kraftvollen Gottheiten geweiht. So wurde sie bei vielen indogermanischen Völkern als heiliger Baum verehrt, in Griechenland war sie dem Zeus, bei den Römern dem Jupiter und bei den Germanen Donar geweiht. Kelten, Germanen und Slawen opferten in Eichenhainen. Im Zuge der Christianisierung wurden viele Eichen gefällt. An Wallfahrtsorten wurde die Eiche dann mit Maria in Verbindung gebracht. Auch gilt sie als Sinnbild der Stärke und wurde im 18. Jhdt. in Deutschland zum Symbol des Heldentums.

Das Hauptverbreitungsgebiet der Gattung Quercus liegt in Nordamerika, einige Arten kommen auch in Europa und Westasien vor. Bei uns sind die Stiel- oder Sommereiche, die Stein- oder Wintereiche und die Flaumeiche heimisch. Die drei Arten ähneln sich sehr und bastardieren auch gerne. Eichen sind Wärme liebend und bevorzugen niedrige, feuchte Lagen. So sind sie Bestandteil unserer Laubwälder; auf kargem Grund wird die Eiche leicht von der Buche vertrieben.

Eichen erkennt man leicht an den typischen, buchtig gelappten Blättern und an der sehr dicken Stammborke. Ihre Früchte, die Eicheln, sind Nüsse, die einzeln in einem beschuppten Fruchtbecher, der Cupula, sitzen. Die Belaubung der Bäume ist eher licht. Die Stieleiche (Q. robur), in Europa am weitesten verbreitet, hat meist einen kurzen Stamm und eine ausladende Krone. Sie kommt auch als Solitärbaum vor. Ihr deutscher Namen bezieht sich auf die lang gestielten Früchte, das Artepitheton robur weist auf die gegenüber dem Splint dunklere Färbung des harten Kernholzes hin (von lat. ‚ruber’ = rot). Sie blüht früher als die Traubeneiche und heißt deshalb „Sommereiche“, die Traubeneiche (Q. petraea) ist die „Wintereiche“. Sie hat einen höheren Stamm, sitzende Früchte, und wächst gerne auf trockenen Gesteinsböden, was sich im Artepitheton petraea widerspiegelt (griech. ‚petraios’ = Felsen-). Die Flaumeiche (Q. pubescens) wächst vorwiegend in Südeuropa, in Deutschland kommt sie nur an den warmen Südhängen des Rheingrabens vor. Sie ist deutlich kleiner (bis 20 m) und trägt an den jungen Zweigen und Blättern eine zarte Behaarung, was sich im Artepitheton niedergeschlagen hat (lat. ‚pubescens’ = flaumhaarig).

Die Eiche ist eine Nutzpflanze, denn sie wird zu hochwertigem Bauholz verarbeitet. Früher wurde die Borke wegen ihres Gehalts an Gerbstoffen zum Gerben von Häuten verwendet. Verwendung findet auch die immergrüne, westmediterrane Korkeiche (Quercus suber) mit ihrer bis zu 10 cm dicken Borke, die zu Korken verarbeitet wird.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile (Droge)

Verwendet wird die getrocknete Rinde frischer, junger Zweige der drei Eichenarten (Quercus cortex). Die Droge des Handels stammt aus verschiedenen ost- und südeuropäischen Ländern.

Inhaltsstoffe der Droge

Eichenrinde enthält Gerbstoffe, vorwiegend kondensierte Gerbstoffe (Catechingerbstoffe).

Qualitätsbeschreibungen

Die Qualität der Eichenrinde (Quercus cortex) ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt.

Medizinische Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

Das HMPC hat Eichenrinde als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (siehe „Traditionelle Anwendung“).
Kommission. E: äußerlich bei entzündlichen Hauterkrankungen; innerlich bei unspezifischen, akuten Durchfallerkrankungen; außerdem zur lokalen Behandlung leichter Entzündungen im Mund- und Rachenbereich sowie im Genital- und Analbereich

Traditionelle Anwendung

Eichenrinde wurde vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel (§ 39a AMG) eingestuft. Basierend auf langjähriger Erfahrung kann Eichenrinde innerlich zur symptomatischen Behandlung leichter Durchfälle, äußerlich bei leichten Entzündungen der Haut und Schleimhaut angewendet werden. Eichenrinde dient auch zur Linderung von Jucken und Brennen bei Hämorrhoiden.

Arzneiliche Drogenzubereitungen in Fertigarzneimitteln

  • geschnittene Eichenrinde als Tee
  • alkoholische Extrakte in Badezusätzen

Dosierung

Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Teeaufguss: bei Durchfall 3-mal täglich eine Tasse Eichenrindentee trinken. Tagesdosis 3 g Droge. Zur äußeren Anwendung (Spülungen, Umschläge, Gurgellösung, Bäder) mehrmals täglich anwenden.

Bereitung eines Teeaufgusses

Zur innerlichen Anwendung: 1 g der fein geschnittenen oder grob pulverisierten Eichenrinde mit kaltem Wasser ansetzen, aufkochen und nach 5 Min. abseihen. Zur äußerlichen Anwendung (Spülungen, Umschläge, Gurgellösung) wird 20 g Droge mit 1 L Wasser, für Voll- und Teilbäder 5 g Droge auf 1 L Wasser in gleicher Weise zubereitet.

Hinweise

Bei länger andauernden und sich wiederholenden Durchfällen sowie bei blutigem Stuhl muss unbedingt ärztlicher Rat eingeholt werden. Bei fiebrigen und infektiösen Erkrankungen, Herzinsuffizienz (Herzschwäche) und hohem Blutdruck darf nicht heiß gebadet werden. Bei nässenden, großflächigen Ekzemen und Hautverletzungen dürfen Eichenrindenabkochungen nicht angewendet werden.
Für die Anwendung von Eichenrinde während der Schwangerschaft und Stillzeit liegen noch keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor. Für eine Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren reichen die Erkenntnisse noch nicht aus.

Nebenwirkungen

Allenfalls allergische Reaktionen

Wechselwirkungen

Bei äußerer Anwendung keine bekannt; bei innerlicher Anwendung von Eichenrinde kann die Resorption von gleichzeitig verabreichten Medikamenten verzögert sein; Eichenrinde sollte deshalb im Abstand von mindestens 1 Stunde (vor- oder nachher) eingenommen werden.

Literaturhinweise

Drogenmonographien

HMPC, Kommission E

Weiterführende Literatur

Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Eichenrinde, Nr. 1887)

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